Ein junger Mann aus gutem Hause verlässt Mutter und Vater, seine Freunde und seine Heimat, um in der Fremde seinen großen Traum zu verwirklichen, sein Glück zu machen, die Liebe zu finden und ein ganz Großer zu werden. Dafür bringt er schon etwas Handwerkszeug mit, aber er ist bereit hart an sich zu arbeiten und noch viel dazuzulernen. Er weiß, dass eine harte Probe auf ihn wartet. Vielleicht ist er am Anfang noch etwas naiv, frech und unbekümmert. Aber er hat ein gutes Herz, ist charmant und höflich Frauen gegenüber, aber auch respektlos und kämpferisch der Obrigkeit gegenüber, immer dann wenn er sich für die gute Sache einsetzen will. Er ist aber auch nicht so dumm, zu glauben, dass er alles allein schaffen kann. Er braucht gute Freunde, getreu dem Motto "Alle für Einen, Einer für Alle!"
Das klingt nach einem klassischen Abenteuerroman. Und das ist die Geschichte auch: 3 Musketiere, der große Roman von Alexandre Dumas. Hier ist es der junge Edelmann D'Artagnan, der sein Heimatdorf, seine Freunde und seine Familie verlässt, um sein Glück in Paris zu versuchen. Sein Vater und großes Vorbild brachte ihm bei zu fechten. Darum möchte D'Artagnan, wie einst sein Vater, der Elitetruppe des Königs, den Musketieren angehören. Dafür ist er bereit viel zu lernen und vor allem zu kämpfen. Besonders an der Seite seiner neuen Freunde, den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis, getreu dem Motto "Alle für Einen, Einer für Alle".
Das ist aber auch die Geschichte von Patrick Stanke. Er verlies sein Elternhaus und seine Freunde in Wuppertal um ein großer Musicaldarsteller zu werden. Seine ersten Sporen verdiente er sich noch in seiner Heimatstadt im TIC-Theater Cronenberg. Doch dann zog es ihn nach München um sich auf der Bayerischen Theaterakademie "August Everding" für sein großes Ziel weiter ausbilden zu lassen. Es folgten die ersten Erfolge in den Musicals TITANIC (Heizer Frederick Barrett) und AIDA (alternierender Radames). Und nun der D'Artagnan in 3 Musketiere.
Der D'Artagnan ist die mit Abstand wichtigste Rolle in 3 Musketiere. Mit ihm steht und fällt das ganze Stück. Er ist es, der dem Intrigenspiel von Milady de Winter (Pia Douwes) und Kardinal Richelieu (Uwe Kröger) immer wieder entkommt und die Zwei zur Verzweiflung treibt. Um es gleich vorweg zu sagen, Patrick Stanke ist die Idealbesetzung für diese Rolle. Man merkt wie intensiv er sich mit dem Gefühlsleben und der Situation dieses jungen Helden auseinandergesetzt hat und sich damit auch identifizieren kann. Mal ist er naiv und schüchtern, dann wieder der freche, respektlose Draufgänger, dem Nichts und Niemand Angst machen kann. Er meistert die waghalsigen und anstrengenden Fechtszenen genauso, wie die gefühlsbetonten leisen und intensiven Momente bis zum Weinen, wenn seine geliebte Constance stirbt oder er am Grab von seinem Vater steht. Zwei auf ihre Art einmalig starke und berührende Momente.
Wer jetzt glaubt das Stück wäre nur traurig, der hat sich kräftig geirrt. Es gibt immer dann, wenn die Musketiere auftreten unheimlich viel Action. Wobei bei diesen "Showkämpfen" der Schwerpunkt eindeutig auf Show und weniger auf Kampf steht. Es macht einfach Spaß diesen perfekt durchchoreografierten Kampfszenen zuzuschauen.
Der Kardinal Richelieu ist wie gemacht für Uwe Kröger, er darf so richtig böse und hinterhältig sein, wirkt dabei aber nicht unsympathisch, sondern es geht von ihm eine gewisse Faszination aus. Ebenso wie von Pia Douwes und als Milady de Winter. Immer wenn die zwei erfahrenen Musicaldarsteller auf der Bühne sind, egal ob allein oder mit anderen zusammen geht von ihnen und ihren Stimmen eine unheimliche Bühnenpräsens aus. Sie spielen und singen ihre Rollen, als ob sie nie etwas anderes gemacht haben. Ihnen gelingt das Kunststück, obwohl beide auf ihre Art böse sind, dass man ihnen nie richtig böse sein kann. Im Gegenteil, man versteht fast, warum sie so handeln.
Auch die anderen Darsteller machen ihre Sache sehr gut, haben aber alle nicht eine so herausgehobene Position, wie die drei zuerst genannten.
Die Musik ist, obwohl 3 Musketiere nicht durchkomponiert ist, sehr abwechslungsreich, berührend und fesselnd zugleich. Mal rockig mal poppig. Musiktheater in Vollendung. Es gibt die großen Ensemblenummern, die wie Filmmusik klingen und Solos und Duette die unheimlich viel Gefühl transportieren. So ist für jeden etwas dabei: Action und Gefühl, wie in jedem guten Kinofilm. Gut gewürzt mit einer Prise Witz und Charme, ohne ins Lächerliche abzugleiten.
Die Stage Holding hat bei 3 Musketieren bei allem aus dem Vollen geschöpft und an nichts gespart. Wie gesagt Musik und Hauptdarsteller sind schon herausragend aber auch das Bühnenbild und die Kostüme stehen dem in nichts nach.
Verließ man sich in den vergangenen Jahren eher auf das Lichtdesign und wandelbarer Bühnentechnik, so ist 3 Musketiere im besten Sinne ein Ausstattungsmusical. Viele Bühnenteile kommen von allen Seiten und bilden immer neue Szenen und Räume vom intimen Zimmer, über Bibliothek, Ballsaal und auf der anderen Seite Dorfplatz, Marktplatz oder Schlachtfeld. Dazu dann so liebevolle Details, wie die Schosshunde des Königpaares oder der alte "Ackergaul", mit dem D'Artagnan von zu Hause nach Paris reitet oder eine Kutsche an der sich fast alles bewegt.
Und nicht zuletzt die phantasievollen Kostüme. Hier findet wirklich alles seinen geschmackvollen Einsatz. Viel Lack und Leder, aber auch Seide, Federn, Tuch und Tüll.
3 Musketiere ist ein Augen und Ohrenschmaus, einfach überwältigend! Während der über dreistündigen Vorstellung (incl. Pause) stürmen so viele Eindrücke auf den Besucher ein, dass er fast Mühe hat alles zu erfassen. Wie heißt es so schön in einem der Songs: "Alles was ich will, ist alles ..." und 3 Musketiere vereint wirklich alles in Perfektion, was Musiktheater heute zu bieten hat.

