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Aida Berlin

Berichte über Eindrücke, Pannen etc.

Aida Berlin

Beitragvon Monika » 09.08.2006, 19:42

Huhu!

Ich war am Sonntag in der Pressepremiere von Aida in Berlin und möchte Euch meinen Bericht natürlich nicht vorenthalten:

www.mrmusical.de

Vorab: So wirklich begeistert war ich nicht,,,,
Monika
 

Beitragvon musicalpool.de » 10.08.2006, 09:35

Ich war auch da. Mir hat's sehr gut gefallen.

Der entsprechende Bericht findet sich auf www.musicalpool.de
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Beitragvon windygirl » 18.08.2006, 15:31

Bericht AIDA
Donnerstag, 17. August 2006; 20.00
Theater des Westens
Parkett Links Reihe 8, Platz 13

Verriss zu AIDA in Berlin gefällig? Hier kommt er… Nein, schlechter Scherz beiseite. Ich bin natürlich kein mieser Kritiker, der an allem und jedem herumnörgelt. Im Gegenteil, ich lasse mich sehr gerne begeistern. Das hat AIDA trotz versammelter First Cast jedoch nicht bewirkt.
Verzeiht, wenn mein Ton leicht zynisch werden sollte, aber eine derartige Show hat eine solche Wirkung auf mich. AIDA in Berlin kann bestenfalls als durchwachsen bezeichnet werden.

Womit fange ich an? Etwas Gutes, etwas Schlechtes? Gut, gehen wir chronologisch vor.

Wenn man sich in den Zuschauerraum setzt, sieht man zunächst den dunkelblauen Vorhang mit einem weißen Horus-Auge darauf. Hübsche Sache, wäre da nicht die leicht irritierende Tatsache, dass im Augapfel dieses Auges eine stilisierte Darstellung der Erde (ebenfalls weiß wie der Rest) zu sehen ist. Die kreativen Köpfe unter uns würden jetzt vielleicht behaupten, dass dies symbolisieren soll, dass das Thema – eine grundsolide und klassische Dreiecksbeziehung – noch heute auf der ganzen Welt aktuell ist. Ich persönlich möchte davon Abstand nehmen und es wie der Durchschnittszuschauer bewerten – soweit er es überhaupt wahrnehmen würde. Es wirkt einfach seltsam und unpassend.

Als nächstes kommt die Ouvertüre und somit die Orchestrierung.
Da muss ich zunächst einmal anführen, dass mein Platz für den Ton alles andere als günstig war – neben Reihe 7 und 8 befindet sich (schätzungsweise auf beiden Seiten) ein großer Lautsprecher, der am Ende der Show für ein leichtes Pfeifen in den Ohren gesorgt hat. Dadurch kann ich nicht genau beurteilen, ob die Orchestrierung wirklich etwas blechern (im Sinne von „nicht volltönend“) klang, oder dieser Eindruck nur durch die Nähe zum Lautsprecher entstand.

AIDA ist eine Tourproduktion und muss somit mit einem minimalistischen Bühnenbild auskommen. Eine durchaus verständliche Tatsache, doch ein wenig mehr hätte nicht schaden können… Zudem hat es öfter gewackelt, wenn Kulissenteile (besonders das „Sandgrab“ und die Palmensilhouette für den Hintergrund) hereingefahren bzw. heruntergelassen wurden. Etwas, dass ich aus dem TdW bisher nicht gewohnt war. Aber das lasse ich noch durchgehen, da man mit opulenten Kulissenteilen schlecht von einem Spielort zum nächsten ziehen kann.

Bevor ich letztendlich zur Besetzung komme, muss ich noch etwas zur Übersetzung und zur Choreografie bzw. den Tänzern sagen. Sosehr ich Michael Kunze als Librettist und Übersetzer von Stücken auch schätze, hier hat er wahrlich keine Glanzleistung abgeliefert. Ich bevorzuge nach wie vor die englischen Originaltexte von Tim Rice.
Und jetzt kommt endlich mal etwas Erfreuliches – jedoch mit bitterem Beigeschmack. Die Choreografie war wirklich schön! Besonders haben mir die Minister gefallen. Doch so schön eine Choreografie auch ist, sie muss auch gut ausgeführt werden. Leider hat dieses Ensemble das nicht geboten. Jeder für sich waren sie gut (zB. Manteltanz ect.), doch sobald Synchronität verlangt wäre, sah man die Mängel. Sie haben es einfach nicht geschafft. Gut, natürlich gab es auch Stellen bei denen sie wunderbar synchron waren, aber die waren alles andere als die Regel. Zudem hatten viele Tänzer oft einen recht verkniffenen Ausdruck, der über eventuell zu spielende Rollen hinausging.
Besonders möchte ich zwei Tänzer hervorheben. Zum einen die Solotänzerin, als der Pharao zum ersten Mal erscheint. Da die Damen jedoch allesamt über wenig markante Gesichter verfügten, kann ich ihren Namen nur raten. Ich tippe auf Samantha Klots, weiß es jedoch nicht. In jedem Fall hatte sie eine schöne Ausstrahlung und konnte sich (zumindest solistisch) auch sehr gut bewegen.
Der zweite ist Alexander Bellinkx (Ensemble, Cover Zoser und Pharao, Fight Captain). Der Mann hat eine wirklich bemerkenswerte Ausstrahlung, die meinen Blick oft auf ihn gelenkt hat. Die beste Ausstrahlung und die schönsten Bewegungen nutzen jedoch nichts, wenn sie nicht im korrekten Counting ausgeführt werden. Ich hoffe für ihn, dass er nur einen schlechten Tag hatte und es normalerweise besser kann.

In Ordnung. Genug am Drumherum rumgemeckert. Kommen wir jetzt zu den Hauptakteuren des Abends. Ich habe gute und schlechte Leistungen gesehen.

Ana Milva Gomes – Aida
Mich hatte sie bei BoM 06 schon begeistert und größtenteils hat sie ihre guten Leistungen bestätigt. Nach wie vor finde ich ihre Mimik außergewöhnlich und faszinierend, doch gesanglich war sie nicht den ganzen Abend auf einem Niveau. Sie hatte gute und schlechte Passagen. Zu den guten gehörte auf jeden Fall „So einfach, so schwer“.

Bernhard Forcher – Radames
Verzeiht mir, aber wen hat dieser Mann bestochen, um an eine Hauptrolle zu kommen? Hier war nichts da! Keine Stimme, keine Ausstrahlung, kein Schauspiel, keine Liebe, keine Leidenschaft. Der einzige Vorzug, den ich irgendwie erkennen konnte, war ein recht durchtrainierter Körper. Forcher hat jede Szene, in der er zu sehen war, zunichte gemacht! Jedes Duett von Aida und Radames ging wegen ihm vor die Hunde. (Umso tragischer, falls meine Mutter Recht hat und die beiden tatsächlich ein Paar sind. Dann sollte so etwas anders aussehen. Gut, vielleicht hatten sie sich grade gestritten, aber das DARF keinen Einfluss auf die Bühnendarstellung haben!) Und dass man in dieser Rolle keineswegs so blass und farblos bleiben muss beweist besonders Adam Pascal auf dem OBC Recording. Ich für meinen Teil habe mir mehr als sehnlich Patrick Stahnke gewünscht, der bei BoM eine großartige Leistung in dieser Rolle geliefert hatte.

Bettina Mönch – Amneris
Am Anfang war ich schwer enttäuscht, als „Jede Geschichte handelt von der Liebe“ ausdruckslos und schwach kam. Sie schien mir während des ganzen ersten Aktes eher Schauspielerin als Sängerin (bei ihrem Wutanfall gegen Radames hat sie den gebührenden Zwischenapplaus erhalten!), doch im zweiten Teil wurde sie besser. Am Anfang hat sie die Amneris sehr schrill und unangenehm angelegt, kaum irgendeine Sympathie erweckend. Nun, vielleicht wollte sie genau diese Wirkung erzielen, doch mich hat sie damit einfach nur genervt. Sobald sie die verletzlichen Seiten der Rolle jedoch herausgehoben hat, ist sie zu einem der besten Akteure dieses Abends geworden!

Kristian Korsholm Vetter – Zoser
Ah! Mein persönliches Highlight! Natürlich ist Zoser schon von der Anlage eine unglaubliche Figur, die einfach rockt, aber Kristian Vetter hat aus der Rolle alles herausgeholt. Seine sehr eigenwillige Stimme hat wundervoll zu den Songs gepasst, die mir ohnehin die liebsten sind. Sein Spiel war kraftvoll und gemein, so wie es sein muss. Wirklich grandios!

Marlon David Henry – Mereb
Die einzige Hauptrolle mit Akzent, doch eigentümlicher Weise hat es mich ganz und gar nicht gestört. Marlon war einfach witzig und hat schön gespielt, wenn auch der Gesangsteil unter dem Akzent gelitten hat. Zudem hat er auch noch gut getanzt, zumindest in den wenigen Szenen wo er musste. Ein großes Lob von mir.

Daniel White – Amonasro
Bei ihm habe ich bedauert, dass seine Rolle nur so winzig ist, denn er hatte das gewisse Etwas, das ich so nicht genauer bestimmen konnte.

Lutz Ulrich Flöth – Pharao
Gut, was soll ich sagen? Er stand ja kaum auf der Bühne… Ich habe mir jedenfalls keine Meinung bilden können.

Und hier noch eine wahre Perle, die bei der Besetzung beinahe völlig vernachlässigt wird:
Zodwa K. M. Selele – Nehebka
Eine wunderschöne Stimme, die ich zu gerne einmal als Aida hören würde. Allerdings nicht so gerne, dass ich mir AIDA noch einmal ansehen würde, dafür war die ganze Show nicht gut genug.

Insgesamt möchte ich sagen, dass das ganze Musical natürlich sehr Elton John war und mir doch einen Tick zu bunt und zu Disney. Trotzdem schätze ich, dass mein Bericht etwas zu hart klingen könnte. Es war nicht schlecht. Es war nett. Aber es war eben nicht gut.
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Beitragvon Constance » 18.08.2006, 15:53

danke für die Berichte!
windygirl hat geschrieben:Ana Milva Gomes – Aida
Mich hatte sie bei BoM 06 schon begeistert und größtenteils hat sie ihre guten Leistungen bestätigt. Nach wie vor finde ich ihre Mimik außergewöhnlich und faszinierend, doch gesanglich war sie nicht den ganzen Abend auf einem Niveau. Sie hatte gute und schlechte Passagen. Zu den guten gehörte auf jeden Fall „So einfach, so schwer“.
schön, dass sie jedenfalls (fast) wieder gesund ist 8)
Constance
 
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Beitragvon PhilippG » 18.08.2006, 22:33

@windygirl:

Danke für deinen ausführlichen Bericht !
Weitgehend kann ich deinem Bild folgen, vor allem was Herrn Forcher anbelangt. Der Mann hat keine Stimme, der Mann hat keine Ausstrahlung.
Schade, dass du niemand anderes gesehen hast. Mathias Edenborn war grandios in der Rolle. Im Vergleich mit Adam Pascal (natürlich ist das von Live zu CD) gefällt mir Mathias' Stimme sogar besser.
Zu Ana Milva Gomes kann ich nicht viel sagen. Sie scheint wohl angeschlagen gewesen zu sein. Mir gefiel sie bisher in sämtlichen Auftritten (hab sie nie als Aida im Musical gesehen) ausgezeichnet. Ich denke auch trotz Erkältung dürfte sie besser als Florence Kasumba oder Judith Lefeber sein. Bettina Mönch..... bisher hab ich nur positives von ihr gehört. Damals, als ich sie in Essen sah war's ihre erste Show. D.h. sie war noch sehr unsicher, aber dass sie stimmgewaltig ist konnte man nicht überhören.
Kristian ist geil ! Das ist gar keine Frage :lol:

Eine Frage hätt ich aber noch:
Was fandest du an der deutschen Übersetzung nicht gut ?

Ich kann das leider absolut nicht nachvollziehen, dass ich grade die Übersetzung von Kunze genial finde. Er hat die wirklich extrem schwierigen Texte von Tim Rice so flüssig ins Deutsche übersetzt, dass es mir beim hören der deutschen CD immer so vorkommt, als ob es nie eine englische Version davon gegeben hätte. Also, nicht dass du denkst ich kenne die Englische nicht ! Im Gegenteil, ich kann die Lieder in beiden Sprachen auswendig. Zwar leidet der Sinn manchmal ein bisschen unter der Übersetzung, aber so flüssig und so locker-flockig hätte das meiner Meinung nach niemand anders übersetzen können.

So... wenn ich mich Recht erinnere fliegst du nächste Woche, oder ?
Ich fahr morgen nach Bella Italia und werde somit bis Sonntag nicht mehr posten. Ich wünsche dir Mega-viel Glück und Spaß im Amiland (ich bin ja September/Oktober auch in Michigan) und hoffe natürlich, dass wir uns weiterhin hier lesen. (Du wirst doch dort I-Net haben oder?)

In diesem Sinne auch dem Rest des Forums - Eine schöne Woche !

P.S.: Und macht Sasi keine Schwierigkeiten ;-)
Some people freeze out of fear that they'll fail, but I keep rollin' on.
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Beitragvon Emma Carew » 19.08.2006, 00:02

@windy&Philipp:

Ich kann eure Meinung über Bernard Forcher zu 100% teilen. Ich hatte das Glück, sowohl Mathias Edenborn, als auch Patrick Stanke in der Rolle bewundern zu dürfen und was Herr Forcher im Vergleich zu den beiden (besonders gegenüber Edenborn) als Darsteller abliefert, ist, gelinde gesagt, nicht besonders gut. Ob Stimmgewalt oder Ausstrahlung, ihm fehlt einfach alles.

@windy: Super Bericht, danke dafür! :wink:
Mangelnder Musikverstand läßt sich in Dezibel messen.
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Beitragvon windygirl » 19.08.2006, 11:40

@Phil:
Ich weiß nicht genau was es ist, das mich stört. Leider. Möglicherweise liegt es auch nur daran, dass ich mich gleich beim ersten Hören in die englischen Texte verliebt habe. Im Deutschen klingt das alles irgendwie leicht verkitscht... Oder es liegt daran, dass selbst eine inhaltlich korrekte Übertragung gar nicht möglich war. Mich stört das schon ein wenig.
Zum Beispiel:
And all I've done is tell her things that she already knew
wird zu
Vergiss es! Nur dies Fantasie hat uns zwei verführt

Da hat das Deutsche nichts mehr mit dem ursprünglichen Sinn zu tun (was du ja auch schon meintest). Gut, es liegt sicher nur daran, dass ich die Originaltexte liebe :D
Ich hätte es wohl mit
Doch alles, was ich ihr gesagt, hat sie doch längst geahnt
oder so übersetzt. Nun ja, aber ich bin auch kein professionelle Übersetzer (bisher, wer weiß was da noch kommt :lol: ), also sollte ich mir vielleicht nicht das Recht herausnehmen an ihm herum zu kriteln...

Ich fliege am Donnerstag Morgen. Internet hab ich auf jeden Fall. Ich schätz aber mal, dass ich nicht mehr so häufig werde kommen können.
Und wir würden Sas noch niiiiiiiiie Schwierigkeiten machen :wink:

Und wer weiß, mit Patrick Stahnke bzw. Mathias Edenborn als Radames und einer anderen Aida (immer eine wird ja langweilig :wink: ) dann schau ich's mir vllt doch nochmal an :wink:
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