von Sascia » 09.01.2007, 13:50
Da unsere Homepage derzeit nicht so will wie wir wollen, poste ich hier meinen Bericht zur Silvestervorstellung von '3 Musketiere'!
3 Musketiere, Raketen und ein gutes neues Jahr!
Zum Abschluss des Jahres 2006, beschloss ich, mir in Stuttgart, zusammen mit ein Familie und Freunden, das Musical ‚3 Musketiere’, welches ich schon einmal in Berlin habe sehen dürfen, anzuschauen.
Natürlich war ich gespannt, wer denn an diesem Abend nun auf der Bühne stehen würde. Schließlich kann man an solch einem Abend nicht davon ausgehen, dass die komplette Erstbesetzung spielen würde und das tat sie auch nicht. Trotz allem war die Besetzung gut, wenn es auch zwei kleine Negativpunkte zu verbuchen gibt. Aber dazu gleich mehr.
Allen voran ist natürlich Pia Douwes als Milady de Winter zu nennen. Diese Frau ist einfach sagenhaft. Inzwischen hab ich sie dreimal live auf der Bühne sehen dürfen und bin immer aufs Neue von ihr begeistert. Wenn sie die Bühne betritt und die ersten Töne eines ihrer Lieder anstimmt, dann bekomme ich auf der Stelle eine wohlige Gänsehaut, denn ihre Stimme ist von einer so schönen Klangfarbe und in Kombination mit ihren Schauspiel ist das einfach eine Wucht. Sie zieht unweigerlich alle Blicke auf sich. So war es auch an diesem Abend. Sie sang und spielte sich in die Herzen der Zuschauer und schafft es so, die Motive ihrer Milady verständlich und nachvollziehbar zu machen. Sie zeigt eine verbitterte Frau, die trotz all dem Leid und der Ungerechtigkeit, die sie bisher in ihrem Leben hat erfahren müssen, sich noch immer ein klein wenig Hoffnung bewahrt hat. Doch als auch diese letztendlich zerstört wird wählt sie als letzten Ausweg den Freitod, der auf Douwes musikalisches Highlight ‚Wo ist der Sommer?’ folgt.
Auch Ethan Freeman als Kardinal Richelieu war ein Erlebnis. Auch ihn haben ich inzwischen einige Male live erleben können und daher habe ich mich sehr über seine sehr gute Leistung in der Rolle des Kardinals gefreut. Er spielt diesen eher als einen fanatischen Kirchenmann, der alles daran setzt, die Macht der katholischen Kirche zu bewahren und zu festigen. Doch dieses Streben zerreißt ihn auch, er leidet und das merkt man deutlich in den Szenen, in denen er allein oder zusammen mit Milady de Winter auf der Bühne steht. Am besten hat mir seine Interpretation von ‚Nicht aus Stein’ an diesem Abend gefallen. Darin konnte er so viele Facetten seines Könnens zeigen, dass man am Ende einfach nur in beigeisterten Jubel ausbrechen konnte und wenn mich meine Ohren an diesem Abend nicht getäuscht haben, dann bekam Freeman für diese Szene auch fast schon der frenetischste Applaus dieses Abends.
Ein anderes Highlight dieser Vorstellung war definitiv auch Rasmus Borowski als junger draufgängerischer D’Artagnan, schließlich hatte ich gehofft ihn in dieser Rolle zu sehen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Bei ‚Heut ist der Tag’ musste er sich vielleicht noch ein wenig warm singen, denn er hatte etwas Mühe gegen das Orchester anzukommen, danach jedoch war er einfach klasse. Er passt optisch und stimmlich einfach perfekt in diese Rolle. Man nimmt ihm den jungen Mann aus der Provinz ab und wenn er dann nach Paris kommt und ein Abendteuer nach dem anderen bestreitet kann man erkennen, wie er daran reift. Leider bleibt das alles aber etwas arg oberflächlich, was aber sicher nicht Borowski, sondern allgemein der Rollenfestlegung zur Last gelegt werden kann. Borkowski bemüht sich seinen Part mit Leben und kraftvoller Stimme zu füllen und ihm gelingt das auch, soweit es das Buch eben zulässt. Doch all diese positiven Aspekte können mich kaum davon abhalten, dass ich D’Artagnan nach Constances Tod, als er plötzlich all sein Leid wieder vergessen hat und fröhlich gegen den Kardinal und seine Intrigen ankämpft, am liebsten schlagen möchte. Diese Haltung wird mir wohl immer unverständlich bleiben.
Als Königin Anna stand an diesem Abend Ann Christin Elverum auf der Bühne. Auch ihre Leistung fand ich sehr gut. Allein ihr etwas starker Akzent in den Dialogpassagen störte ein wenig, aber ihr Solo ‚Kein geteiltes Leid’ war eines der schönsten und emotionalsten Lieder dieses Abends und daher kann ich nur ein Kompliment aussprechen, vor allem auch im Vergleich mit Kristin Hölck, die ich in Berlin in dieser Rolle gesehen habe, schneidet die Elverum viel besser ab. Ihre Anna ist nicht kalt und zurückhaltend, ihr nimmt man ihre Zerrissenheit zwischen Heimat und den damit verbundenen Erinnerungen und gegenwärtiger Verpflichtung ab. Sie kann überzeugen.
Und nun zu D’Artagnans Gefährten und den Namenvettern dieses Musical, die drei Musketiere. Als Athos stand Mark Riemer auf der Bühne. Bei der Kritik seiner Darstellung bin ich etwas zweigeteilt. In den Dialogpassagen war er gut, auch wenn sein amerikanischer Akzent eine flüssige deutsche Aussprache ein wenig behinderte, auch in den Gesangspassagen war er überzeugend, wenn man sie klassisch anlegen konnte. Aber ausgerechnet sein ‚Engel aus Kristall’ ging daneben. Er war bemüht, dass Tempo des Liedes zu halten, was ihm jedoch nicht immer gelang und er stolperte des Öfteren über den deutschen Text, so dass die einzigen Worte, die man immer klar und deutlich verstehen konne ‚Engel aus Kristall’ waren. Zudem klang das Lied in Riemers klassischer Variante sehr gewöhnungsbedürftig, da dieser Song meist rockig interpretiert wird. Wenn man von dieser Szene jedoch absieht, kann man Riemer als soliden Athos bezeichnen. Jens Janke als Aramis und der Darsteller des Porthos, bei dessen Namen ich mir leider nicht mehr sicher bin, waren auch allesamt gut. Mehr kann man zu diesen Rollen leider nicht sagen.
Gerben Grimmius war ein ausgezeichneter Conferencier, der das Publikum Publikum in das Geschehen einführte und ein herrlich lustiger James. Peter Stassen war in der reinen Schauspielrolle des Königs eine majestätische Erscheinung. Das Können eines Kevin Tarte war in der kleinen und unbedeutenden Rolle des Buckingham total verschwendet und Nadine Schreier, die wohl die größte Enttäuschung dieses Abends für mich war, gab eine Constance, die am sobald sie die Bühne wieder verlassen hatte, einfach vergaß, so nichts sagend blieb ihre Interpretation der Rolle und ihre Gesangsdarbietungen waren durchschnittlich. Das Ensemble war auch eine große Überraschung, denn man konnte es vorzüglich verstehen.
Im Vergleich zur Berliner Aufführung hat man leider nicht viel verändert. Man hat sich immer noch nicht dazu durchringen können, die niederländische Version von ‚Männer’ zu verwenden und stattdessen quält sich der Zuschauer durch eine langweilige Männermutation, die einzelnen Gesangspassagen bei ‚Wer kann schon ohne Liebe sein?’ wurde neu verteilt und man hat versucht eine kleine Duettpassage in ‚Wo ist der Sommer?’ einzubauen. Leider kann ich nicht sagen, was Athos in dieser Szene singt, denn mehr als ‚Mein Engel aus Kristall’ war leider nicht zu verstehen. Wenn es jemand verstanden haben sollte, wäre ich über Aufklärung sehr dankbar. Eine sehr große Verbesserung ist jedoch, dass das Bühnenbild auf der viel größeren Bühne des Apollo-Theater viel besser zur Geltung kommt und so auch nicht so kitschig wirkt, wie es in Berlin teilweise der Fall war.
So kann man sagen, dass dies ein sehr unterhaltsamer und vergnüglicher Abend gewesen war. Mit Höhen und Tiefen, mit Liebe und Leid und einer Menge Darsteller, die sich gegenseitig auf den Kostümen standen. Bevorzugte Opfer waren hierbei Milady de Winter und der Kardinal.
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*All that we see or seem is but a shadow of a shadow of a dream within a dream*