Akt I:
Wir halten planmäßig in Hamm. Wir bleiben in Hamm stehen. Minuten vergehen. Wir stehen immer noch. Ein stirnrunzelnder Schaffner wandert an unserem Fenster vorbei und beschaut sich zwei Meter weiter irgendwas am Fahrwerk. Ein zweiter folgt, dann ein dritter. Bald hat sich eine ganze Traube von Bahnangestellten am Zug versammelt, die mit einer Mischung aus Sorge und Faszination ins Fahrwerk schaut. Einer beginnt zu telefonieren, dann noch einer. Ein Techniker kommt geschlendert und gesellt sich zu dem bereits anwesenden Grüppchen. Nervöse Blicke zur Uhr; wir haben nur ein Zeitfenster von einer Stunde bis zur Vorstellung, und in Düsseldorf müssen wir auch erstmal noch zur mobilen Rheinoper kommen! Plötzlich eine Ansage: "Verehrte Fahrgäste, wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass unser Zug aufgrund eines Brandherdes unter Wagen 23 [unser Wagen, versteht sich...] hier endet. Ihre nächste Reisemöglichkeit in Richtung blablabla tüdelü ist der Regionalexpress am selben Bahnsteig gegenüber." Besagter Regionalexpress hat seine planmäßige Ankunft in Düsseldorf um 14.38 Uhr, also 22 Minuten vor Vorstellungsbeginn... Kein Grund, in Panik zu geraten.......... panisch in Düsseldorf (14.40 Uhr) zum Taxistand gesprintet. Ins erstbeste Taxi gesprungen. Am liebsten gleich wieder rausgesprungen: Fahrer ist Mubungu aus Ghana, der unser Fahrtziel nicht kennt. Verzweifelt zähle ich alle mir bekannten Gebäude in der Nähe auf und lande schließlich endlich mit "Landtag" einen Treffer. Mubungu fährt los. Dreißig rote Ampeln, lauter schlafende Leute am Steuer ("Fahr endlich, du Scheiß-Holländer!!!" gibt meinen Gemütszustand vielleicht ganz treffend wieder...). Mubungu wird unsicher. Hat er uns richtig verstanden? Wollen wir da wirklich hin? Und wo da genau? Ich patze zurück, er solle da jetzt einfach hinfahren, verdammt, ich kenne mich hier nicht aus (14.50 Uhr)!! Plötzlich: Da ist sie, die mobile Rheinoper!!! Ankunft: 14.53 Uhr... Mubungu aufgrund von Zeitmangel fettes Trinkgeld gegeben und schwitzend in die Show gerannt.
Akt II:
Die Show ist aus. Die interessante Herfahrt wird mit einem uns bekannten Darsteller lachend diskutiert, der reibungslose Ablauf der Rückfahrt von unserer Seite witzelnd bezweifelt. Schließlich zieht ein Gewitter auf, und man könne ja bei allem Glück noch vom Blitz getroffen werden! Darsteller Joeri (ein Niederländer...) lacht: "Aber nein! Ihr habt doch heute schon so viel Glück gehabt!" Stimmt eigentlich. Auf dem Weg zum Bahnhof bricht das Unwetter los, Blitz und Donner und sintflutartiger Regen. Ankunft am Bahnhof. Die Straßenbahn hält etwa dreizehn Kilometer vom Eingang entfernt. Na toll. Raus in den Regen, eigentlich ganz lustig, obwohl das Lachen dem aufmerksamen Zuhörer bereits einen leicht hysterischen Unterton aufzeigen mochte. Ein freundlicher Bahnangestellter informiert uns, dass wir noch einen früheren Zug Richtung Osnabrück nehmen könnten (wir waren ungeplant früh am Bahnhof); der habe nämlich 28 Minuten Verspätung und sei somit noch für uns erreichbar. Cool! Wir also rein in den Zug, inmitten eines tobenden Wetterinfernos. Wenig später Halt auf freier Strecke. Dann die Durchsage: "Verehrte Fahrgäste, aufgrund eines Blitzeinschlages im Streckenabschnitt zwischen blablabla tüdelü wird sich die Ankunft in wasweißich um circa 15 Minuten verspäten." Joeri, definiere Glück... Nagut, wir über S-Bahn Schienen weitergeschlichen, nach einer Weile wieder Stop. Durchsage: "Verehrte Fahrgäste, leider nochmal eine schlechte Nachricht. Aufgrund des Sturmes sind Bäume auf die Gleise zwischen blablabla und tüdelü gestürzt. Wir werden über Hamm umgeleitet." Gepeinigter Aufschrei, Freundin und ich im Chor: "Wir wollen nicht nach Hamm!!!" Letztendlich mit 70 minütiger Verspätung in Osnabrück angekommen und gerade noch den Anschlusszug nach Bremen bekommen, wohlgemerkt: den Anschlusszug für den Zug, den wir in Düsseldorf eigentlich eine Stunde später genommen hätten...
Und zu guter letzt auf der Fahrt noch erfahren, dass die Niederlande nicht weitergekommen sind, zumal sich alle Spieler offenbar darin einig zu sein schienen, statt Fußball Football zu spielen...

