Am Freitag, 22. April 2011 war ich bei der konzertanten Aufführung von Jesus Christ Superstar im Wiener Ronacher.
Ich beginne mal mit den Punkten, die mir besonders aufgefallen sind, teilweise positiv und teilweise auch negativ:
Plus-Punkte:
[+] Maria Magdalena fand ich sehr gut gespielt und gesungen.
[+] Auch die Hohepriester gefielen mir gut.
[+] Der Gesang zum letzten Abendmahl war diesmal besonders schön (mehrstimmig) gesungen.
[+] Am Ende, nach der Kreuzigung, waren rechts und links je ein brennendes Kreuz zu sehen. Das war sehr gut gemacht, optisch wirklich eindrucksvoll.
[+] Die Leute, die am Anfang dem Jesus zujubeln, waren gut gespielt.
[+] Auch der Pilatus war ganz OK.
Minus-Punkte:
[-] Jesus war mir viel zu "modern" dargestellt und auch gesungen! Bekleidet mit blauen Jeans und dazu ein weißes Sakko-Oberteil, Frisur: fast Glatze, und auch kein Bart. Beim Singen waren mir die Melodien zu frei interpretiert, da waren einfach deutlich bemerkbare Abwandlungen der Melodien, die "Jesus" gesungen hat, gegenüber dem Original - sowas mag ich gar nicht. Aber offenbar wollte man hierbei allzu krampfhaft modern sein. Dazu kommt noch, dass man den Jesus an manchen Stellen kaum hörte, da manchmal offenbar sein Mikrofon viel zu leise eingestellt war. Soetwas müsste auch bei einer konzertanten Aufführung nicht sein.
[-] Der Judas gefiel mir zwar optisch ganz gut (mit langen Haaren, Bart, und schwarzer Kleidung, ungefähr in diesem Stil hätte mir auch Jesus gefallen!), aber mit meiner Meinung nach viel zu rauher Stimme gesungen. Offenbar wollte man diese Rolle "rockiger" gestalten aber auch hierbei hat man wohl übertrieben. Vor allem die letzen Lieder, die Judas gesungen hat - z. B. wie Judas "I don't know how to love him" krächzend ins Mikrofon gegrölt hat, das tat schon weh. Soetwas passt einfach nicht zu einem Musical.
Sonstiges:
Weitere Eindrücke (weder besonders positiv noch besonders negativ) :
* Der Herodes-Darsteller war mir zu alt (was vielleicht auch daran lag, dass ich schon so sehr an den Herodes aus dem Film gewöhnt war), aber ansonsten durchaus in Ordnung. Ob das wirklich Andreas Lichtenberger war, wie auf der offiziellen Internetseite angegeben, kann ich nicht mit Sicherheit feststellen. Immerhin war Herodes von einem Mann gespielt (was offenbar gar nicht so selbstverständlich ist, denn vor ein paar Jahren in der Wiener Stadthalle wurde der Herodes von einer Frau gespielt; Insgesamt hat es mit trotzdem damals in der Wiener Stadthalle besser gefallen.)
* Die Darstellung war sehr "jugendfrei": Die 39 Peitschenhiebe erfolgten nur akustisch, es war also keine Peitsche zu sehen sondern nur zu hören; Auch die Kreuzigung war nur angedeutet (auf eine Art und Weise, die mir aber sehr gut gefiel), und Judas spaziert nach seinem Selbstmord einfach von der Bühne. Ist aber eigentlich eh nicht so schlecht, denn so haben auch "zarte Gemüter" und generell Leute, die nicht so auf Gewaltdarstellung stehen, ihre Freude an der Aufführung.
Besetzung: (Quelle: offizielle Internetseite der Vereinigten Bühnen Wien)
http://www.musicalvienna.at/index.php/d ... icle/77336
Jesus: Drew Sarich
M. Magdalena: Caroline Vasicek
Judas: Mischa Mang
Simon/Annas: Rob Fowler
Pilatus: Alexander di Capri
Petrus: Norbert Kohler
Herodes: Andreas Lichtenberger
Kaiphas: Dennis Kozeluh
Soulgirls: Cornelia Braun, Melanie Ortner, Marle Martens
Regie: Dennis Kozeluh
Musikalische Leitung: Koen Schoots
Orchester: Vereinigte Bühnen Wien

