Mittwoch, 19. März 2008; 19.00
Theater am Potsdamer Platz, Berlin
1. Rang Links, Reihe 10, Sitz 15
Mein überfälliger erster Mamma Mia!-Besuch erhält das Prädikat „großartige Pannenshow“. Wobei dies bedeuten soll, dass trotz einiger Zwischenfälle, an denen wirklich niemand Schuld war, die Show wirklich klasse über die Bühne ging – doch dazu später mehr. Mamma Mia ist eben Mamma Mia – es ist wohl das einzige Jukebox-Musical, das wirklich funktioniert.
Die Geschichte die zu den ABBA-Songs gedichtet wurde, ist zwar alles andere als tiefgründig, doch zumindest auch nicht völlig banal. Die 20jährige Sohpie will ihren Sky heiraten und macht sich deshalb auf die Suche nach ihrem Vater. Laut dem Tagebuch ihrer Mutter Donna kommen da drei in Frage: Abenteurer Bill Fischer, Geschäftsmann Harry Beck und Sam Jakobsen, geschiedener Vater zweier Söhne. Neben diesem Haupthandlungsstrang werden noch andere Kleinigkeiten eingebunden, so zum Beispiel die kurze Affäre zwischen Donnas alter, bereits mehrmals verheirateter Freundin Tanja und dem jungen Pepper. Insgesamt hangelt sich die Geschichte zwar schon durch die Songs, doch durch die wirklich gut gelungen deutschen Texte, funktioniert sie einfach.
Das Bühnenbild im TaPP ist schlicht und funktional. Die Taverne besteht aus zwei drehbaren Teilen, die je nach Ort anders zusammen geschoben werden. Des Weiteren braucht es kaum mehr, als ein paar Stühle und Tische. Weitgehend funktioniert das wunderbar, doch an einigen Stellen hätten man sich gewünscht, dass das Lichtdesign ein wenig mehr Veränderung gebracht hätte. Ein Weiteres Manko war der Sound, denn oben im ersten Rang hatte man es mit der Lautstärke teilweise doch etwas zu gut gemeint… Sichteinschränkungen gab es im Übrigen kaum, doch die Mimik der Darsteller war natürlich nur mit einem Opernglas näher betrachtbar.
Doch nun mehr zu den Vorfällen, die den Reibungslosen Ablauf des Abends ein wenig beeinträchtigt haben: Nach einer bereits auffällig langen Pause wurden wir von einer Mitarbeiterin des Theaters mit den Worten begrüßt: „Es ist ja immer ein schlechtes Zeichen, wenn jemand, der nicht zum Stück gehört, auf die Bühne kommt.“ Geschehen war folgendes: die Darstellerin der Tanja (Betty Vermeulen) hatte sich verletzt und konnte die Show nicht zu Ende spielen. Im Folgenden war nun die Rosie aus Akt 1 (Patricia Hodell) im zweiten Teil als Tanja auf der Bühne stehen. Als neue Rosie war Iris Schumacher aus ihrem freien Abend gerissen worden. Zunächst sorgte das ganze für ein wenig Verwirrung im Publikum, doch dank der wirklich großartigen Leistung der beiden, war davon schnell nichts mehr zu spüren. Und zumindest war nun das Rätsel des Krankenwagens, der in der Pause vor dem Theater vorfuhr, geklärt.
Der zweite, ebenfalls unschöne Zwischenfall ist noch weniger die Schuld eines Darstellers, als dieser erste. Zu Beginn von „Der Sieger hat die Wahl“ hörte man im 1. Rang gedämpfte Stimmen, die sich scheinbar quer übers Parkett zu unterhalten schienen. Ein schlechtes Zeichen, dass auch prompt von Donna alias Susanna Panzner bestätigt wurde: Die Zeile „Stagemanagment, wir brauchen einen Arzt“ steht nämlich nicht im Text… Glücklicherweise scheint alles glatt verlaufen zu sein, denn schon nach wenigen Minuten später ging es zu Beginn dieser Szene erneut los, mit einer Donna, die ein klein bisschen nach Luft schnappte, was ihr jedoch jeder verzieh. Genaueres weiß ich leider nicht, da man im 1. Rang kaum mitbekommen hat, dass irgendetwas passiert war.
Zum Ensemble muss gesagt werden, dass sie alle durch die Bank weg ihre Sache wirklich gut gemacht haben. Und um das Herren- und das Damen-Ensemble zu ehren, die bei Mamma Mia ja so viel zu tun haben und dabei so leicht vergessen werden, hier zunächst ihre Namen:
Herren:
Lars Redlich
Riccardo Greco
Gregory Antemes
Niklas-Phillip Gertl
Alexander Soehnle
Matteo Gastaldo
Sanny Roumimper
Damen:
Daniela Harbauer
Jenny Woo
Anke Merz
Marides Lazo
Julia Müller
Julia Leinweber
Susanna Panzner – Donna
Ich war alles andere als begeistert, als ich ihren Namen auf der Besetzungsliste las, hatte ich sie doch von 3 Musketiere nicht in allzu großartiger Erinnerung. Doch schon ihr erster Song ließ mich alle Zweifel vergessen. Susanna hat als Donna das Theater gerockt! Die kraftvollen, schnellen Stimme schein perfekt mit ihrer Stimme zu harmonieren. Ein großes Lob!
Betty Vermeulen – Tanja (Akt 1)
Wirklich zu traurig, dass sie sich verletzt hat. Es bleibt nur zu hoffen, dass es nicht allzu lange mit dem Auskurieren dauert. Ihr Schauspiel war wirklich wunderbar, auch wenn ihre Stimme etwas dünne und unscheinbar klang. Bis zu diesem Zeitpunkt passte das aber durchaus zu ihrer Art, die gealterte Tanja zu spielen. Man kann ihr nur gute Besserung wünschen!
Patricia Hodell – Rosie (Akt 1), Tanja (Akt 2)
Mit jedem Moment, den sie auf der Bühne stand hatte ich mehr Respekt vor ihr. Dass sie an einem Abend in gleich zwei Rollen geschlüpft ist, zeigt nur noch mehr ihre Klasse. Zudem hat sie mich stimmlich echt umgehauen – gerade mit ihrem „Wenn das Mami wüsst’“. Ich kann wirklich nur sagen, dass man sich vor so einer Leistung verbeugen muss.
Iris Schumacher – Rosie (Akt 2)
Mir blieb ein Rätsel, wie sie es so schnell geschafft hat, aus Prenzl’berg ins Theater zu kommen, sich zu schminken, anzuziehen und sich einzusingen. Wir mutmaßten schon sie hätte den Leuten in der U-Bahn ein Ständchen gegeben… Ich muss zugeben, dass ich ihren Gesang jedoch nicht fair bewerten, da mich Patricia zuvor so begeistert hatte. Ihr Schauspiel war jedoch zum Schreien komisch!
Melanie Ortner – Sohpie
Süß und naiv, mit einem Hauch Ernst. Sie hat das zwar gut rübergebracht, aber insgesamt ist sie für mich etwas zu blass geblieben, nicht konsequent genug in der Auslegung der Rolle – in Schauspiel und Gesang.
Petra Scholz – Ali
Yoko El Edrisi – Lisa
Sie haben ihre Rollen erfüllt – laut, schrill, ein wenig überdreht eben.
Cusch Jung – Sam
Prinzipiell ist mir egal was er spielt. Ich glaube, er könnte sich als stummer Baum auf eine Bühne stellen und ich würde trotzdem irgendetwas finden, dass ich loben kann. Aber als Sam hat er wirklich wieder einen tollen Job gemacht. Die innere Zerissenheit, seine Liebe zu Donna, hat er so gefühlvoll dargestellt. Über seine Stimme kann man sicher streiten – ich persönlich mag sie sehr gerne.
Marc Schlapp – Bill
Den Abenteurer hat er tadellos gemeistert – mit einer guten Portion Witz und Charm.
Alexander Zamponi – Harry
Spätestens bei seinen Worten „Und meine besteht aus mir und Paul und das ist auch gut so“ hatte ihn ohnehin jeder Berliner ins Herz geschlossen. Wir lieben unseren Wowereit
Aber auch ansonsten hat man ihn, den Headbanger auf der Suche nach der alten Spontanität, lieben müssen: Insgesamt ruhig und eher leise, aber irgendwie einfach „knuffig“.
Jörn Linnebröcker – Sky
Eigentlich ist die Rolle ja kaum groß genug, um wirklich zu zeigen, dass Sky Sophie genauso liebt, wie sie ihn, doch irgendwie hat er es geschafft. Allerdings muss ich sagen, dass er mich auf eine seltsame Art an den jungen Uwe Kröger… Es muss etwas an seinem Stimmtimbre gewesen sein. Unerwarteter Weise ist das jedoch kein Negativpunkt – es ist hier einfach nur eine Feststellung.
Thada Suanduanchai – Eddie
Die Rolle er hat er ohne Tadel ausgefüllt.
Christoph Süsens – Pepper
Pepper ist zweifellos eine wirklich tolle Rolle, und eigentlich hat er sie ja auch richtig gut gemacht. Er wirkte wie ein Teenager, der sich aufspielt – und das ist die Rolle ja auch. Aber irgendetwas war daran unstimmig. Ich glaube sein Pepper wirklich vielleicht sogar etwas zu jung.
Fazit: Der ganze Abend war, trotz Zwischenfälle, als Gesamtes wirklich gelungen. Das gesamte Ensemble hat alles gegeben und mit Energie und guter Laune das Publikum begeistert. Die einzige Rüge muss hier an das Publikum selber gehen, dass wohl teilweise nicht einmal auf den extra für sie übersetzten Text gehört hatte – oder welche Textzeilen in S.O.S. animieren zum freudigen Mitklatschen?


