Eigentlich hatte ja keiner von uns mehr mit einer Aufführung gerechnet. Denn nach einem sehr bewölkten Vormittag hatte das Wetter ab ca. 4 Uhr nachmittags keine Gnade mehr und es fing an zu regnen - was sich bis zum Abend in Dauerregen verwandelt hatte. Auf der Bühne stand schon das Wasser und es regnete wirklich den ganzen Abend hinweg in Strömen!! Trotzdem wurde die Show gespielt - und vorneweg, es war genial!! Allen voran (meiner Meinung nach) Patrick Stanke, Marc Clear und auch Ethan Freeman. Wobei natürlich der besondere Reiz in Tecklenburg auch das gigantische Ensemble (+Orchester) ist! Alles genauere dann am Sonntag.
EDIT: Es wurde doch etwas später, aber immerhin...
So, besser spät als nie - mein Mozart Bericht =)
Bericht Mozart! – Tecklenburg 22.08.2008 – 20:00 Uhr
Nach einer Woche Holland war Zwischenstopp in Tecklenburg zu „Mozart!“ angesagt. Das war damit auch mein 2. Versuch Patrick Stanke als Wolferl zu sehen, in München damals war er ja leider krank gewesen. Und besonders rosig sah es am Nachmittag auch nicht aus für die Vorstellung, als es langsam aber sicher angefangen hat zu regnen. Tecklenburg stand wortwörtlich unter Wasser, denn in den kleinen Gässchen am Hang tümmelten sich fröhlich kleine Flüsschen ^^ Doch zu unserer großen Überraschung wurde uns an der Abendkasse gesagt, dass die Vorstellung stattfindet – immerhin stand auf der Bühne schon das Wasser in Pfützen, weil diese ja nicht überdacht war… Trotz allem begann also mit ca. 20 Min. Verspätung die Vorstellung – 700km Anreise also doch nicht umsonst =)
Sehr überrascht war ich auch, dass Cusch Jung Regisseur war o.O Die Inszenierung war aber wirklich klasse und sehr an der Wiener Produktion orientiert. Das Bühnenbild war relativ schlicht gehalten, erzielte aber die passende Wirkung und „erschlug“ das Bühnengeschehen dadurch nicht, wie es oft in großen Produktionen der Fall ist… Die Bühne erstreckt sich dann doch über eine recht große Fläche, so dass die verschiedenen Spielplätze auch räumlich getrennt waren (z.B. Colloredo sang tlw. vom Vorsprung rechts oben). Klasse Bühne =)
Patrick Stanke – Wolfgang Amadeus Mozart
Grandios! Er übertraf die Erwartungen sogar, die ich von ihm hatte… So wie eigentlich alle Schauspieler an diesem Abend ließ er sich wirklich nichts ankennen, dass er im strömenden Regen spielte – er sprang über die Bühne inkl. Wasserpfützen mit einer Leichtigkeit (er ist ja auch wieder schlanker, wie mir aufgefallen ist
Ethan Freeman – Leopold Mozart
Ethan gegenüber war ich anfangs sehr skeptisch, weil ich seine Stimme von Aufnahmen her (besonders als Lucheni) überhaupt nicht leiden konnte. Aber ich lass mich Live dann auch gern vom Gegenteil überzeugen – was er definitiv erreicht hat. Er war einfach Leopold – so wie man sich den sorgenvollen Vater vorstellt, der seinen Sohn gleichzeitig dafür hasst, was er sich selbst und besonders der Familie und ihm zerstört durch sein „Künstlerleben“. Verbittert, in Sorge und Liebe singt er „Schließ dein Herz in Eisen ein“ – und rührt zu Tränen, zieht das Publikum (zumindest mich ^^) in seinen Bann. Und das, obwohl er eigentlich nur spärlich Mimik zeigte – was diese Reserviertheit Leopolds und seine Zurückhaltung, Gefühle offen zu zeigen, zum Ausdruck brachte. Allgemein war er im ersten Akt besser – vielleicht wurde es ihm aber auch nur zu nass mit der Zeit. Der Satz „Komm, Wolferl, ich glaube es fängt an zu regnen“ war vielleicht nach 2h Dauerregen nicht glaubhafteste – machte ihn aber gleich zu Anfang sympathisch =).
Marc Clear – Colloredo
Wow. Einfach nur Wow. Diese Stimmgewalt hat mich ja echt umgehauen, hätte ich nie von ihm erwartet. Da stand Autorität in Person auf der Bühne, zusammen mit Erhabenheit und zum Teil Arroganz. Der Streit zwischen ihm und Wolfgang war wahnsinnig energiegeladen. Am genialsten war natürlich „Wie kann es möglich sein“ von ihm. Eine absolute Glanzleistung, und auch er ignorierte gekonnt das Wetter und sang eben mit tropfender Nasenspitze
Adrian Becker – Emanuel Schikaneder
„Willkommen zu meinem Unterwassergastspiel“ – und schon zog er mit seinem ersten Satz das Publikum und vor allem dessen Lacher auf seine Seite. Er wusste eben wirklich, wie man unterhält. Gesanglich war er einwandfrei und schauspielerisch sowieso, wodurch er einen Pluspunkt nach dem nächsten bei den Leuten sammelte. „Meine lieben Freunde des Wasserballetts“ – was die reine Wahrheit war, er hatte das Pech, dass es bei „Ein bissl fürs Hirn“ so richtig goss, aber mit Begeisterung marschierte er über die Pfützen-Bühne. Schließlich wurde man sowieso nass, wozu also die Mühe außenrum zu laufen. Ein genialer Schikaneder, was will man mehr.
Karin Seyfried – Nannerl
Sie klang für mich einfach nicht nach Nannerl. Auch wenn sie tonsicher war, sie berührte einfach nicht. „Der Prinz ist fort“ klang dadurch auch fad, so dass man ihr irgendwann fast nicht mehr zuhörte. Da hab ich irgendwie Caroline Vasicek vermisst… Sehr schön dagegen war von ihr der Brief ihres Vaters, den sie dem Publikum vorsingt. Die erwachsene Nannerl stand ihr allgemein besser, wie ich fand. Auch wenn der Schluss des Briefs vermutlich ein wenig Eigeninterpretation war… „Mein Rheuma plagt mich wieder. Hier in Wien regnet es wie aus Kübeln…“
Simone Geyer – Constanze Weber
Sie war eine schöne Constanze, wie ich fand. Nicht besonders herausragend, aber auch nicht schlecht. „Irgendwo wird immer getanzt“ war selbstsicher gesungen und auch in Duetten mit Patrick haben die beiden schön harmoniert. Auch wenn ein bisschen mehr Romantik den beiden gut getan hätte…
Jana Werner – Baronin von Waldstetten
Sie war definitiv die beste weibliche Sängerin des Abends, ganz klar. „Gold von den Sternen“ war so gefühlvoll und natürlich, dass man richtig von ihr in Bann gezogen wurde. Sehr schön war hier auch das Schauspiel von Ethan, der jedesmal vor den Kopf gestoßen wirkte, als die Baronin genau die Worte fand, die er ihr entgegenbringen wollte (z.B. „Da draußen wirst du scheitern – sprach der Vater zum Sohn“…) Wunderbare Leistung!
Besonders zu erwähnen ist auch noch die Familie Weber – allesamt hervorragende Schauspielerinnen. Die Szenen mit ihnen hatten die Lacher schon vorprogrammiert. Sie erinnerten mich dann doch sehr auch an die Thenadiers von Les Misérables. Auch wenn sich die (sehr gute) Sängerin Aloisia erst weigert, mit dem jungen Komponisten raus in den Garten zu gehen („Es ist saunass!“), scheint das Schäferstündchen doch unterhalten zu haben
Was auch sehr eindrucksvoll war, war das Ensemble. Szenen wie „Hier in Wien“ und das Finale zählten dadurch zu den absoluten Höhepunkten des Abends. Da sieht man, wie sehr es sich auszahlt einen stimmgewaltigen Chor zu haben. Genauso (auch wenn sie jetzt weniger mit dem Regen zu kämpfen hatten, wie die Leute auf der Bühne) das Orchester. Eine gewaltige Truppe unter der Leitung von Tjaard Kirsch, auf die sich die Schauspieler haben stützen können. Auch die Sequenzen aus den Werken Mozarts waren nicht nur souverän sondern vor allem sehr lebendig gespielt. Man hatte richtig das Gefühl, dass diese Melodien gerade eben aus Wolferls Kopf „herausspringen“. Toll!
Alles in allem war es ein wirklich genialer Abend und den tosenden Schlussapplaus haben sich alle redlich verdient. Das Wetter war bis Stunden nach der Vorstellung alles andere als gnädig, es hat auch zu keiner einzigen Sekunde aufgehört zu regnen. Und obwohl wir unter Dach saßen hat der kurze Weg zum Auto gereicht, um pitschnass in der Ferienwohnung anzukommen, danach bewundert man die Darsteller und Sänger noch mehr, die das den ganzen Abend aushalten mussten ^^
Hier sind noch einige Bilder zu finden =) http://www.pics.chaosautoren.de
Btw habe ich immernoch eine Karte für die Abschlussgala nächste Woche "Stanke & Friends" abzugeben...
Auch wenn man es auf den anderen Bildern nicht sieht - so war das Wetter die komplette Vorstellung über!
http://www.pics.chaosautoren.de/main.php?g2_view=core.DownloadItem&g2_itemId=4136&g2_serialNumber=1

