Anstelle der Premiere von „Lady on the Stage“, fand am Freitag, den 27.03.2009 in der Stadthalle Duisburg Walsum die 2. Musical Nights von Stage Focus, sowie der Firma Planproject vor ausverkauftem Haus statt.
Wer bereits vorherige Shows dieses Ensembles verfolgt hat, durfte sich erneut über starke Leistungen einiger solistischer Darsteller erfreuen.
Äusserst positiv fiel dabei Susanne Zimmer in König der Löwen und die Schöne und das Biest auf.
Mit einer prägnanten Stimme und viel Gefühl gab sie gleich zu Anfang der Show den richtigen Auftakt und mit recht ist zu behaupten, dass es sich hierbei um eines der ganz großen Highlights handelte.
Ebenfalls gewohnt stark der Auftritt von Linda Koprowski aus Elisabeth, „Ich gehör nur mir“ und Les Miserables, „Nur für mich“ sowie das „Phantom der Oper“ von Andrea Eurich und Michael Mrosek zählten zu den Höhepunkten des Abends.
Schauspielerisch war das Ensemble sehr stark. Eine insgesamt sehr gut ausgearbeitete Proxemik, sowie viele liebevolle Details in den Darbietungen einzelner hinterließen bei den Zuschauern keine Langeweile.
Auffallend dabei war Matthias Knaab, der nicht nur gesanglich überzeugte, sondern auch, und das noch mehr, schauspielerisch sicherlich der Stärkste an diesem Abend war.
Enttäuschend waren leider einige, bei denen man es nicht erwartet hätte.
Abgesehen von der wirklich unorganisierten Tontechnik, die es den Darstellern erschwert hat, 100% auf der Bühne geben zu können, waren einige Darbietungen enttäuschend schlecht.
So war bei Philipp Maurer kaum ein Ton gut intoniert, geschweige denn Gefühl und Ausdruck in der Performance zu sehen und zu hören, abgesehen von der ebenfalls schlechten schauspielerischen Darbietung.
Dem Zuschauer stellt sich die Frage, ob eine solche Leistung mit dem Posten der musikalischen Gesamtleitung einhergeht.
Gleiches ließ sich ebenfalls bei Jan Müller feststellen, der trotz guter Technik weder mit Gefühl, noch Dynamik und Expressivität überzeugen konnte.
Unglücklich leider auch die Darbietung aus Grease.
Die Nummer, welche zweifelsohne gnadenlos schwer ist, wurde zwar sehr gut performed, ließ jedoch gesanglich an vielen Stellen zu wünschen übrig. Schade für die beiden optisch gut wirkenden Darsteller Rebecca Henrichs und Gerrit Simons, die sich viel Mühe gegeben haben.
Das Higlight, im negativen Sinne, war jedoch das Duett von Andrea Eurich und Linda Koprowski die „Was fühl ich in mir“ aus Wicked sangen.
Die sonst sehr starken Stimmen wollten einfach nicht harmonieren, geschweige denn ihren Einsatz an der richtigen Stelle finden. Da half auch das gute Make-Up der Elphaba, sowie die tolle Perrücke der Glinda nicht mehr
„Ewig bleibt das Grauen“ dachten sich sicherlich auch einige Zuschauer.
Ernüchternd ebenfalls die Darbietung von Melanie Mohanty, die in "Sind die Sterne gegen uns“ aus Aida mit viel Talent am Anfang gefühlt einen viertel Ton entweder darüber oder unter ihrem Duettpartner Jan Müller lag, jedoch am Ende des Stückes plötzlich stärker wurde und mit viel Druck ihre Sache letztlich doch noch gut machte. Dabei bleib es leider schon, denn im Medley von Abba waren alle drei Darstellerinnen (Julia Koch, Rebecca Henrichs und Melanie Mohanty), ohne den von Band kommenden Chor, bzw Originalstimmen von Abba, aufgeschmissen. Trotzdem kam die Nummer sehr gut an, was aber wahrscheinlich eher daran lag, dass es sich dabei um altbekannte Songs von Abba handelte, die sowieso jeglichen Kultstatus genießen.
Auf der anderen Seite wurde mit den wirklich tollen Kostümen einiges an verbranntem Boden wieder gut gemacht.
Michael Mrosek im Kostüm des Phantoms sorgte kurz für ein Raunen im Publikum bei betreten der Bühne.
Das Kleid von Susanne Zimmer in Die Schöne und das Biest war ein echter Eyecatcher und die Kostüme aus Les Miserables waren fantastisch.
Ebenfalls wie die wahrscheinlich beste Ensemble Leistung an diesem Abend bei „Herr im Haus“ aus Les Miserables.
Schauspielerisch perfekt, der Chor war gut zu hören und zu verstehen, sehr gutes Staging und der Humor dieser Szene erreichte selbst die in der letzten Reihe sitzenden Zuschauer. Großes Lob!
Allerdings wurde dies ein wenig getrübt, durch die äußerst gewagte Darbietung von „Schafft die Männer ran“. Selbstverständlich lebt die Szene von lasziven, leichten Damen und wie man so schön sagt: „S.. sells“, aber man sollte ich überlegen, ob mehr Stoff im Endeffekt weniger gewesen wäre. Abgesehen davon, dass die Choreographien sehr anrüchig waren, was sicherlich auch gewollt war, seine Wirkung aber durch zu viel des Guten verlor.
Außerdem sollte man sich vorher gut überlegen, wen man in so knappen Outfits auf die Bühne lässt. Es mag sicherlich Menschen geben, die einen Faible für übergewichtige Menschen in Strapsen haben, ob dies allerdings die breite Masse auf der Bühne sehen möchte, ist höchst fraglich.
Ein ganz dicker Minuspunkt geht an die Technik der Firma Planproject. Wer auch immer die Tontechnik gemacht hat, sollte sich in Zukunft überlegen, ob es keine anderen Bereiche gibt, in denen er erfolgreicher wäre.
Ob es an der dürftigen Beschallungsanlage lag, oder an der eventuell schlechten Akustik des Saals, mag Anreiz zu Diskussionen geben, jedoch war die Musik im Kontext zum Gesang eindeutig zu leise. Das hatte leider den Effekt, dass die Magie eines Live-Konzertes, oder wie in diesem Fall einer Musical Gala einfach nicht transportiert werden kann, so sehr sich die Darsteller bemühen. Das war dementsprechend auch der Fall.
Fast jede Nummer hatte darunter zu leiden, dass der Techniker die Einsätze der Darsteller verschlief und fast immer die erste Hälfte der ersten Zeile nicht zu hören waren.
Das waren keine einmaligen Pannen mehr, sondern nur noch der Regelfall, demnach sollte man sich fragen, ob dann ein Kartenpreis von knapp 20,- gerechtfertigt ist.
Ziemlich überflüssig waren dabei die schlechten Hintergrundprojektionen, die so manches gute Feeling zerstört haben und auch die bunte Lichtershow die teilweise einer Travestie-Show glich, zeugten nicht gerade von professionellem Engagement. Etwas weniger/subtiler wäre auch hier wieder mehr gewesen.
Fazit: Insgesamt war der Abend Ok und sein Geld wert, jedoch kein Abend, der nachhaltig im Gedächtnis der Zuschauer bleiben wird, abgesehen von den zahlreichen Verwandten und Bekannten der Darsteller.
Dem Ensemble ist zu wünschen, dass zukünftige Shows besser laufen, denn insgesamt war großes Engagement und viel Potential zu sehen und man kann sicher sein, dass der ein oder andere demnächst in größeren Produktionen zu sehen sein wird.

