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Rent

Berichte über Eindrücke, Pannen etc.

Rent

Beitragvon windygirl » 03.10.2007, 15:56

Etwas spät, ist es doch schon fast 3 Monate her, doch immerhin kommt er überhaupt. Hier mein Bericht zu Rent am Broadway. Verzeicht, dass die Erinnerungen und Eindrücke nicht mehr die frischesten sind. Wie üblich kann der auf die Handlung bezogene Teil selbstverständlich von eingefleischten Rentheads und alten Musicalhasen übersprungen werden :wink:
Enjoy!




Bericht Rent
Donnerstag, 14. Juni 2007; 20.00
Nederlander Theatre, New York City
Orchestra Right, Row J, Seat 14

Am Broadway ist es immer lohnenswert sich nach verbilligten Tickets umzuschauen. Für Rent gibt es da einerseits die Lottery, wo die ersten zwei Reihen für $20 verkauft werden und andererseits kann man am Sonntag die Karten für die Vorstellung während der Woche zum halben Preis kaufen (gilt für unter der Woche). Somit haben wir Karten, die normalerweise um die $95 kosten, für unter 50 bekommen. Da schlägt das Musicalfanherz höher.

Die Atmosphäre im Theater an sich war recht laut, wie ich es bei einem Stück dieser Art erwartet hatte – real eben und ohne den Zauber, der von Fantasiegeschichten herrührt. Rent, das ist das wahre Leben, hart und ungerecht. Die Bühne ist simpel und praktisch gestaltet. Obwohl nicht kahl wirkt sie dennoch kalt und passt hervorragend zu ihrem Ambiente. Rent in New York zu sehen, das ist schon etwas besonderes. Es fühlt sich gleich alles realer an, wenn man noch am Morgen bis fast zur Avenue B spaziert ist und danach im Food Emporium in der 42nd Street einkaufen war. Dort stand zu meinem Bedauern jedoch kein kurzgeschlossener Geldautomat….

Worum geht es also in Rent? Ganz schlicht und einfach um die großen Dinge, die Verwicklungen und Tragödien des wahren Lebens – um Liebe, Drogen, Armut, AIDS, Tod, Ruhm und Freundschaft.
Zentrale Gestalten sind Mark, ein arbeitsloser Filmemacher und sein Mitbewohner Roger – seines Zeichens erfolgloser Musiker. Ihr Leben spielt sich im East Village, besonders der Avenue B ab, das zur Zeit der Handlung von Künstlerviertel war, während sich die meisten Menschen die Miete dort heute wohl kaum leisten können. Und damit steigen wir auch gleich in die Handlung ein. Auch Roger und Mark können ihre Miete (englisch: „rent“) nicht zahlen und hatten darauf vertraut, dass ihr ehemaliger Mitbewohner Benny, der die reiche Alison Grey of Westport geheiratet hat, sie ihnen wie versprochen erlässt. Benny jedoch stellt dafür eine Bedingung, auf die sich weder Mark noch Roger einlassen wollen – sie sollen Maureen von ihrem Protest gegen Bennys Geldtreiberei verhindern. Maureen ist Marks Ex-Freundin, die seit neustem mit der Anwältin Joanne zusammen ist. Als weitere Fäden der Geschichte lernen wir Stripperin Mimi kennen, die einmal mit Benny eine Affäre hatte und sich für Roger interessiert. Der ist jedoch etwas entwöhnt von seinen Mitmenschen seit seine Ex April sich umgebracht hat, als sie erfuhr sie leide an AIDS. AIDS hat nicht nur Roger, sondern auch Mimi, Collins und Angel. Collins ist ein weitere ehemaliger Mitbewohner von Mark und Roger, und Angel ist ein Straßenmusikant, der ihm hilft nachdem Diebe ihn zusammenschlagen. Zwischen Collins und Angel entwickelt sich eine der schönsten Liebesgeschichten im gesamten Genre des Musicals. Doch das Leben ist hart und ungerecht – Angel stirbt an seiner Krankheit. Auch die anderen haben es nicht leicht. Zu ihrer trauer um Angel kommt viel eigener Schmerz. Maureen und Joanne trennen sich, Mimi und Roger streiten sich und Benny wird von seiner Frau wegen einer Affäre mit Mimi rausgeworfen. Roger versucht sein Gefühl für Musik wieder zu finden und flieht nach Santa Fé, nur um kurz darauf zurückzukehren. Mark bleibt allein, einsam mit nur seiner Kamera als Begleitung. Die so wundervolle Freundschaft, die noch im ersten Akt so sehr mitriss, zerbricht im zweiten. Rent ist das reale Leben, chaotisch und tragisch und niemals leicht. Zuletzt verschwindet Mimi, die den Drogen nicht entfliehen kann und wird halb erfroren von Maureen und Joanne gefunden. Sie ist schwach und ob es ein Wunder ist, dass sie zurückbringt oder doch Rogers zuletzt zu ihm gekommener Song, das kann wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Man verlässt Rent nicht mit einem Happyend im Herzen, wohl aber mit einer Träne im Augen, wenn man den verstorbenen Angel wieder sieht und das Ensemble einen noch ein letztes Mal daran erinnert, dass wir nur dieses eine Leben haben – No day, but Today.

Wie bereits erwähnt war die Bühne standardmäßig schlicht gehalten, das Orchester war auf der Bühne und einen Vorhang gab es nicht. Genau das macht Rent aus – es ist anders, hautnah, real. Das selbe gilt für die Kostüme – entsprechen genau den Erwartungen. Teils sind sie schlicht und praktisch, teils den Charakteren angepasst schrill und ausgeflippt.
In jedem Fall wurde die Bühne fantastisch ausgenutzt und es war faszinierend zu sehen, wie sich ein Tisch und eine Reihe Stühle so schnell in einen völlig anderen Ort verwandeln können.

Das gesamt Ensemble hat an jenem Abend eine tolle Wandlungsfähigkeit gezeigt und ein hohes Tempo sowie grandiosen Zusammenhalt gezeigt. Möglicherweise ist ja bei Rent ohnehin so Tradition, aber ich fand es wundervoll, dass sich das Ensemble nur als Einheit verneigt hat und nicht einem jeden der Einzelapplaus zukam. Die Geschichte von Rent ist verstrickt und somit muss das Ensemble ein enges Kollektive werden. Die gemeinsame Verbeugung war in meinen Augen eine wundervolle Unterstreichung dieser Zusammengehörigkeit.

Luther Creek – Roger Davis
Ich muss sagen, dass ich ihm sehr kritisch gegenüber stand, da ich bisher nur Adam Pascal in dieser Rolle kannte und dessen Stimme mehr als einprägsam ist. So hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mit Luther warm geworden bin, doch er hat seine Sache eigentlich gut gemacht. Seine Stimme ist sehr rau, ein wenig zu kraftlos vielleicht, doch er war ein guter Roger. Sehr Lebensecht, vielleicht echter als Adam Pascal.

Christopher J. Hanke – Mark Cohen
Hat seine Sache ausgezeichnet gemacht. Obwohl er keinen zu andauernden Eindruck gemacht hat, habe ich ihn doch als gut in Erinnerung.

Troy Horne – Tom Collins
Auch hier bin ich durch die OBC und den Film vorbelastet, doch obwohl Troy anders war, war er doch gut. Er hat Collins’ Stärke betont und gezeigt, dass dieser nach Angels Tod zwar gebrochen ist, aber doch nicht geschlagen. Für seine Freunde ist er immer da. Wirklich gut!

D’Monroe – Benjamin Coffin III
Absolute Verkörperung des Bennys. Toll!

Tonya Dixon – Joanne Jefferson
Durchwachsen. Sie hat Joanne als etwas zu wechselhaft gezeichnet, ändert zu leicht ihre Meinung und Haltung. Gesanglich jedoch einwandfrei, recht dunkel.

Telly Leung – Angel Schunard
So Cute!!! Man wollte ihn am liebsten einpacken und mitnehmen, so wundervoll war seine Performance. Wenn es auch im ersten Moment eine Umstellung bedeutet, wenn man einen schwarzen Angel gewöhnt ist, doch Asiate Leung macht seine Sache sogar noch bezaubernder.

Tamyra Gray – Mimi Marquez
Den Gesprächen um mich herum war zu entnehmen, dass ich nicht als einzige über die Kurzhaarfrisur dieser Mimi erstaunt war. Doch sie war so voll Energie, und später so zerbrechlich, dass sie wohl auch in einem pinken Tutu hätte auftreten können und ich hätte ihr die Rolle abgekauft. Stimmlich ein wenig zu schroff, da wären ein paar weichere Klänge manchmal noch schöner gewesen.

Nicolette Hart – Maureen Johnson
Blond, aufdringlich, laut – so war diese Maureen. Doch ich habe noch nie für sie Sympathie gehegt und war nur ein wenig erleichtert als Over the Moon schließlich vorbei war. Mir fehlte an ihr der Reiz, der Grund warum sowohl Mark als auch Joanne nicht von ihr fortkommen…

Insgesamt war die Performance des ganzen Ensembles höchst berührend und ich muss sagen, dass die Tränen, wenn sie auch nicht gekullert sind, doch zumindest in den Augen standen. Ein wundervoller Abend.
windygirl
 
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