Ich schließe mich mal hier mit meinem Bericht an. In altbewährter Manier ist der wieder vieeel zu lang geworden. Wer den Inhalt kennt kann gerne den Teil [] überspringen
Bericht Rudolf – Affaire Mayerling
Donnerstag, 14. Mai 2009
Raimund Theater, Wien
Wien und seine Habsburger… In der selben Stadt in der Kaiserin Elisabeths Geschichte die Masse bezauberte, tut sich die Geschichte um ihren Sohn eher schwer. Zugegeben, das liegt sicher weniger am Stoff als vielmehr an der Musik. „Rudolf – Affaire Mayerling“ von Frank Wildhorn und Jack Murphy bietet nur wenige musikalische Highlights, die im Ohr bleiben. Die meisten Songs sind so nichtssagend, dass man an deren Ende schon fast vergessen hat, was man gerade gehört hat. Bevor ich aber in Detail gehe und darlege, wer seine Sache trotzdem gut gemacht und wer grandios gescheitert ist, noch kurz etwas zur Geschichte und der Ausstattung.
[Das Stück beginnt mit Kronprinz Rudolf und seiner Frau Stephanie, die sich auf die Eröffnungsfeier des Burgtheaters vorbereiten. Unschwer ist zu erkennen, dass beide nicht gerade ein liebendes Paar sind. Bei der Eröffnung des Theaters erschießt sich ein Mädchen auf offener Bühne. Rudolf eilt in mitten der entstandenen Panik zu ihr und trifft dort auf Mary Baroness Vetsera, die den gleichen Gedanken hat. Rudolf ist bestürzt über die Geschehnisse. Am nächsten Tag kommt Rudolf zu seiner Vater Kaiser Franz Joseph um mit ihm zu sprechen, doch dieser zeigt kein Interesse an den Ideen seines Sohnes. Vielmehr nennt er sie „liberale Hirngespinste“, wie sie auch Journalist Julius Felix in einer Wiener Zeitung veröffentlicht. Das anschließende gesungene Streitgespräch „Du willst nicht hören“ wird von Eduard Graf Taaffe, dem Ministerpräsidenten, unterbrochen.
Auch Mary ist von den Gedanken Julius Felix‘ fasziniert. Doch statt über dessen Artikel möchte sich Marie Gräfin Larisch lieber mit Mary über deren finanzielle Verhältnisse unterhalten. Die verarmte Familie könnte durch eine Heirat Marys mit dem Herzog von Braganza gerettet werden. Mary aber träumt von echter Liebe und nicht von einer Zweckehe.
Beim Empfang des neuen deutschen Kaisers Wilhelm II. treffen Mary und Rudolf erneut aufeinander. Als die beiden tanzen kommt Stephanie hinzu, die diese neue Liebschaft Rudolfs abwehren will. Sie ist dabei wenig taktvoll, doch Mary bietet ihr mit spitzen, doch wohl gewählten Worten Paroli.
Graf Taaffe hat indes Moriz Szeps zu sich gebeten, den Herausgeber der Zeitung, die die Artikel von Julius Felix veröffentlicht. Er droht ihm und lässt anschließend durch Handlanger die Redaktion verwüsten. Dort treffen sich Szeps, Andrassy, Vogelsang und Clemenceau mit Rudolf und dem Prince of Wales. Clemenceau hat ein Dokument dabei, dessen Unterzeichnung ein neues Europa schaffen soll. Wissend, dass diese Unterschrift Hochverrat bedeuten würde, zögert Rudolf. Während er allein zurück bleibt und nachdenkt, kommt Mary herein. Sie will eine Annonce aufgeben um Julius Felix treffen zu können. Rudolf gibt zu erkennen, dass er eben dieser Mann ist. Sie verabreden sich zu einem Rendezvous auf der Eislauffläche. Rudolf zeigt Mary seine Welt, eine Welt in der er unter ständiger Beobachtung durch Taaffes Spitzel steht und der er entfliehen will – nach Mayerling.
Zu Beginn des zweiten Aktes erleben wir Rudolfs Albtraum, in dem Graf Taaffe die Regierungsgeschäfte manipuliert und „Die Fäden in der Hand“ hat. Er ist besorgt, dass Mary ihm zum Opfer fallen könnte. Rudolf erwacht neben Mary und schenkt ihr einen Ring in dem „In Liebe vereint bis in den Tod“ eingraviert ist. Als Mary gehen will, kommt Stephanie herein und will von Rudolf wissen, was Mary von seinen anderen Flittchen unterscheiden würde. „Du bleibst bei mir“ verspricht sie ihm erbost. Rudolf geht sogar so weit den Papst um eine Annullierung seiner Ehe zu bitten. Er will Mary heiraten und legitime Kinder mit ihr haben. Franz Joseph ist erbost und als Rudolf daraufhin alle seine Titel ablegen will droht er seinem Sohn: Es würde Mary und ihrer Familie schaden. Um seinen Schmerz zu vergessen begibt Rudolf sich in ein Bordell. Mary folgt ihm dorthin um ihm zu zeigen, dass sie bei ihm bleiben wird und dass sie ihn liebt. Von Mary bestärkt spricht Rudolf bei der Eröffnung einer Ausstellung zu den Menschen über den „Weg in die Zukunft“. Mary indessen wird zu Graf Taaffe gebeten, der sie auszahlen will um ihre Beziehung zu Rudolf zu beenden. Doch Mary bleibt stark und macht ihm klar, dass sie nicht käuflich ist. Sie ist am tottraurig, als sie einen Brief von Rudolf erhält in dem er sie bittet Braganza zu heiraten. Er ist um ihre Sicherheit besorgt, denn er steht im Begriff nun doch endlich seine Unterschrift unter die „Verfassung für Europa“ zu setzten und Hochverrat an seinem Vater zu begehen. Taaffe erhält von Heinrich Vogelsang das entsprechende Dokument und informiert Franz Joseph. Obwohl er beginnt zu zweifeln, setzt sich der Kaiser in ihm durch und er muss sich von seinem Sohn lossagen.
Mary ist nach Rudolfs Brief zum Bahnhof gefahren und soll einen Zug besteigen, der sie zu Braganza bringt. Sie tut es aber nicht und begegnet Rudolf, der ihr nachgeeilt ist. Gemeinsam begeben sie sich nach Mayerling, wo das Stück mit zwei Schüssen endet.]
Die Geschichte tappt ganz offensichtlich in mehr als eine Kitsch-Falle und es dauert bis zum lauten Selbstmord in der zweiten Szene ehe der Zuschauer richtig bemerkt, dass da etwas auf der Bühne geschieht. Dass es ein Musical ist wird einem frühestens in der dritten Szene klar, beim gesungenen Streitgespräch Rudolfs mit seinem Vater. Die wenigen Highlights wie zB „Ein Hübscher Krieg“, „Die Fäden in der Hand“ oder „Wenn das Schicksal dich ereilt“ gehen durch die immense Lautstärke in der sie vorgetragen werden unter, sie werden teils mehr geschrien als gesungen oder sind schlicht zu schnell um etwas zu verstehen. Einzig „Zeit zu handeln“ und „Du bist meine Welt“ hinterlassen einen gewissen Eindruck.
Als großes Plus muss aber an diesem Abend die Ausstattung angerechnet werden. Die Kostüme passen ganz wunderbar in die Zeit, wirken gleichzeitig aber auch modern. Das Bühnenbild ist vergleichsweise simpel. Nur wenige Gegenstände werden für die meisten Szenen benötigt, diese aber sind voll liebevoller Details. Das reicht vom Schreibtisch Taafes bis zur Redaktion von Szeps‘ Zeitung. Besonders gelungen wird ein schlichter roter Vorhang eingesetzt, der für fließende Szenenwechsel genutzt wird und in der Decke verschwinden kann.
Zum Schluss möchte ich nun zu den einzelnen Darstellern kommen, die sich wirklich große Mühe geben, trotz allem die Vorstellung nicht über ein Mittelmaß hinaushebt, dass die Standing Ovations, die das Publikum dem Ensemble schenkte bedauerlicherweise nicht rechtfertigt.
Sasha Dicapri – Kronprinz Rudolf
Stückbedingt braucht es einige Zeit bis man sich mit ihm anfreunden kann und noch ein wenig länger bis er zeigen kann, dass er tatsächlich ordentlich singen kann. Schauspielerisch verleiht er den widersprüchlichen Emotionen Rudolfs, dessen Zögern, Leidenschaft und Verzweiflung ein glaubhaftes Fundament.
Lisa Antoni – Mary Baroness Vetsera
Bezaubert auf ganzer Linie. Sie ist lebendig, natürlich und fröhlich, sie singt ganz wundervoll. Ihre Mary ist verträumt und idealistisch, doch vollkommen real und glaubwürdig. Man kann nur hoffen, dass sie noch ein paar Hauptrollen bekommt und zeigen kann, dass sie auch nicht nur süß und nett sein kann.
Uwe Kröger – Eduard Graf Taaffe
Ich bin mit der Hoffnung hingegangen, dass es doch gar nicht so schlimm werden kann. Er würde schon mehr Töne treffen, als bei Rebecca. Doch weit gefehlt. Um es mal ganz ungeschönt auszudrücken hat der gute Mann einen Stock im nicht so nett [zensiert] und einen irren Blick, der ihn eher als Mr. Hyde qualifizieren würde, denn als intriganter Politiker. Ich möchte ihm jedenfalls nicht nachts begegnen… Und was die Töne betrifft so möchte ich nur auf den letzten Ton von „Die strahlende Zukunft“ verweisen: Dort hörte man ganz eindeutig – nichts. Denn den letzten Ton gab es einfach nicht. Um ihn nicht völlig bloßzustellen mag noch gesagt werden, dass er beim Duett mit Lisa Antoni ganz ordentlich war – auch wenn er mehr geschrien als gesungen hat. Und mit einem geschickten Tontechniker klingt er auf der CD sogar ganz anständig.
Claus Dam – Kaiser Franz Joseph
Dam macht seine Sache wirklich gut und mimt einen kalten Mann, der zum Wohle des Volkes zu handeln glaubt. Als der Kaiser an sich selbst zu zweifeln beginnt und sich fragt, ob Rudolf doch recht habe, schafft Claus Dam es ihm Tiefe und Menschlichkeit zu verleihen. Seine Stimme habe ich selber ohnehin schon immer als angenehm empfunden.
Carin Filipcic – Marie Gräfin Larisch
Aufgrund des Tempos wird ihr erster großer Auftritt „ein schöner Krieg“ leider völlig unverständlich. Schön, dass sie mit „Die Liebe lenkt“ eine zweite Chance hat, dem Publikum ihre kraftvolle und ganz wunderbare Stimme zu beweisen. Wie immer mit Bravour gespielt!
Wietske van Tongeren – Kronprinzessin Stephanie
Wie Dam hat auch Wietske einen Charakter darzustellen, der vordergründlich kalt ist und nur einmal im Stück echte Gefühle zeigen kann. Sie spielt die enttäuschte Ehefrau glaubwürdig und man kann nicht umhin trotz ihrer Kälte Mitleid mit ihr zu haben. Singen darf sie allerdings nur einmal und trauriger Weise einen Song, der ihr Probleme bereitet. Das liegt aber wohl eher am Material als an ihrem Können.
Der Rest des Ensembles soll hier nur genannt werden. Wer noch Interesse an genaueren Informationen zu einem der anderen Darsteller hat kann natürlich gerne fragen!
Kai Peterson – Moriz Szeps
Dennis Kozeluh - Edward, Prince of Wales
May Niemeyer – Graf Gyula Andrássy
Marcus Tesch – Georges Clemenceau
Manuel Stoff – Heinrich Vogelsang
Martin Pasching – Wilhelm II, Deutscher Kaiser
Markus Neugebauer – Wiligut
Jan Hutter – Meisner
Kathleen Bauer – Mizzi
Ensemble:
Alexandra Farkic, Matilda Hansson, Leigh Martha Klinger, Adrienn Krekács, Silke Braas, Tineke Ogink, Anja von Gelderen, Claudia Wauschke, Niklas-Philipp Gertl, Rory Six, Niran Straub
Swings:
Liane Maynard-Schmid, Maxi Neuwirth, Katrin Mersch, Fritz Schmid
Das Orchester wurde an diesem Abend von Walter Lochmann dirigiert.