Am 30.12. war ich ganz spontan in der Nachmittagsvorstellung und durfte Herrn Edenborn und ansonsten die komplette Erstbesetzung geniessen, am 31.12. hatte ich dann die komplette Erstbesetzung (trotz vorangegangener Erkältung von Thomas Borchert, der die Tage vorher nicht gespielt hat. Glück gehabt!!!).
Zuerst zum Theater:
Meiner Meinung nach passt TdV ins Theater des Westens, auch wenn es aufgrund der Bauweise nur eine Reihe (und die Seitengänge der Türen) gibt, durch welche die Darsteller laufen. Das sich um 180° drehende Wirtshaus gefällt mir sehr gut, besser als die vorigen Versionen des Bühnenbildes, die ich gesehen habe.
Zu den Darstellern gibt es von mir folgendes zu sagen (vorsicht, persönliche Meinung):
Lucy Scherer als Sarah ist in Ordnung, auch wenn ihre Stimme so manches Mal noch ein wenig dünn war. Wenn sie allerdings (z.B. bei "Stärker als wir sind") Passagen mit richtig viel Power gesungen hat, hat sie mich schon schwer beeindruckt. Ich denke, mit ein wenig mehr Routine und stimmlichem Durchhaltevermögen wird sie eine ziemlich gute Sarah werden. Schauspielerisch ist sie süß und kokett und auch die Wandlung zur Blutsaugerin hat sie prima hinbekommen. Mir persönlich hat sie jetzt schon um Längen besser gefallen, als die ewig quietschene Frau Kessler.
Katja Berg ist eine sehr gute Magda, die absolut aufdrehen kann, so dass ich beim ersten Refrain von "Tot zu sein ist komisch" eine Megagänsehaut bekommen habe. Auch schauspielerisch steht sie ihren Vorgängenrinnen in nichts nach.
Maike Katrin Schmidt spielt ihre Rebecca sehr resolut, passt aber ganz gut ins Gesamtkonzept und macht ihre Sache ordentlich.
Ulrich Wiggers gefällt mir vom Schauspiel gut, allerdings frage ich mich, ob es dem Castingteam nicht möglich war, einen Darsteller zu finden, der spielen UND singen kann. Singen gehört nämlich definitiv nicht zu Herrn Wiggers Stärken. Schade!
Nun zur meistdiskutierten Person dieses Hauptcasts.
Schon im Vorfeld sind mir die extreme Kritik bis hin zu den diversen Beleidigungen in diesem Forum unendlich auf die Nerven gegangen (wie mehrfach kundgetan). Ich habe mir immer nur gedacht, wieso es den Menschen nicht möglich ist, auch einem gescheiterten Superstar (und ich bin weiß Gott kein Fan solcher Castingkacke), der eine Weiterqualifizierung absolviert hat eine Chance zu geben. Irgendwie hat er es ja geschafft die Castingrunden zu überstehen, oder etwa nicht? Das das mit Sicherheit nicht an seinen Superstarqualitäten oder seinen vielen Nr. 1 Hits gelegen haben kann, dürfte hier auch dem größten Träumer klarsein.
Nun gut, Herr Klaws hat es auf jedenfall geschafft mich (und diverse andere Kritiker auch) von seinem Können zu überzeugen. Er beltet wie ein Weltmeister, seine Stimme ist nicht mehr mit diesem "Take me tonight"-Fahrstuhl-Gedudel zu vergleichen und schauspielerisch ist er zwar nicht das Non-Plus-Ultra dieses Landes, aber im guten Mittelfeld. Er schafft es auf jedenfall. diese schmalzige Waschlappenrolle sehr gut rüberzubringen. Hut ab, Herr Klaws.
Mathias Edenborn als Krolock ist für mich eher schwierig zu beschreiben. Ich mag seine Stimme und sein Schauspiel sehr, gar keine Frage, allerdings finde ich sein ganzes Autreten nicht passend für diese Rolle.
Die Stimme ist streckenweise sehr kraftvoll und düster, an anderen Stellen wieder nicht, die Statur und der Gang sind heroisch genug, aber das Gesicht ist zu jung und zu weich... Ich kann nicht mal behaupten, er hätte mir icht gefallen. Er macht seine Sache auf seine Weise sehr gut, ist aber irgendwie doch auch ein bißchen eine Fehlbesetzung.
Zu Herrn Borchert brauche ich nicht viel zu schreiben, schade war, dass er in der Woche zuvor erkrankt war und deswegen (am Anfang bei "Gott ist tot") nicht ganz so perfekt gesungen hat wie sonst (war aber trotzdem perfekt, kein total verhauener Mozart-konzertant-Colloredoton, oder so).
Später war davon eigentlich nichts mehr zu hören, aber wer ihn, seine Stimme und Rolleninterpretation kennt, hat gemerkt, dass er doch etwas den Schongang gefahren hat.
Zu guter Letzt zu Veit Schäfermeier:
Ich muss sagen, er ist (bzw. war) der beste Abronsius, den ich bisher gesehen habe. Zwar konnte ich mir ihn in diesr Rolle so gar nicht vorstellen (ich habe ihn das erste und bis TdV auch letzte Mal vor 4 Jahren als J/H in Wien gesehen und mich immer gefragt, wie das denn bitte zusammenpasst), aber er singt wirklich gut und spielt noch besser.
Ein Highlight war natürlich seine Dernière am 31.12., wo er nur Faxen gemacht hat. Unter anderem hat der bei der Gruftszene "...und Küblböck ist in die Grube gestiegen..." gesungen, woraufhin Herr Klaws vor Lachen seinen Part nicht wirklich hinbekommen hat. Außerdem hat er im Ballsaal bei der Szene vorm Spiegel (die Vampire stehen schon an der Seite) ein quäkiges "taaake meee tonight" angestimmt, woraufhin Thomas Borchert nur ganz krolocklike meinte "take him tonight". Der Saal hat getobt, wie sich hier bestimmt jeder vorstellen kann.
Fazit: Cast ist echt schwer ok, auch das Ensemble und das Orchester sind wirklich gut. Einige Leute überraschen positiv, andere hat man so erwartet.
Positiv zu erwähnen bleibt auch noch die veränderte Krolockmaske, man sieht endlich mal das Gesicht des jeweiligen Darstellers (auch wenn dieses manchmal nicht zur Rolle passt...^°^)
Geht rein, es lohnt sich!
Puh, danke an alle, die sich hier durchgewühlt haben (ich hab halt manchmal viel zu sagen, nicht wahr, Angi?
ENDE!


