Ich war gestern in New York in der Produktion des Roundabout Theatre der "Threeepenny Opera"! Und, um das vorweg zu nehmen, es ist der Hammer.
Da ich nun ma öfters beruflich in New York bin, mache ich mir eigentlich keinen grossartigen Stress mir im Vorfeld schon teure Karten zu besorgen, klar gibt es Ausnahmen wie "Wicked", aber das kommt sehr selten vor. Normal führt mich mein Weg dann immer zu TKTS, um die eine oder andere gute Karte zu ergattern. Als ich dann gestern (20.05.2006) dort ankam, hatte ich mir eigentlich schon vorgenommen eine Karte für "Lestat" zu kaufen, da hier ja eine längere Spielzeit noch sehr fraglich zu sein scheint. Doch dann stand da wirklich, dass es Karten für "The Threepenny Opera" für 50% gibt, womit ich aufgrund der sehr kurzen Spielzeit, die nur bis Ende Juni geht, nie gerechnet hätte. Als ich dann auch noch ene Karte Orchestra Reihe G Mitte in der Hand hielt, konnte ich mein Glück kaum fassen...
Im Theater angekommen, durfte ich dann auch die komplette Erstbesetzung sehen, daher werd ich hier jetzt keine Besetzungsliste verewigen, die könnt Ihr ja der Homepage oder www.broadway.com entnehmen.
Ganz davon abgesehen, dass die "Dreigroschenoper", welche ich vorher noch nicht einmal ganz gehört hatte, ein irre geniales Stück ist, überzeugt die aktuelle Inszenierung durch eine Top-Cast, eine super gute Übersetzung und tolle neue Ideen. Das Stück wirkt modern und verrucht ohne Ende, die Kontraste der einzelnen Charaktere werden super herausgearbeitet und es kommen doch ein paar Wow-Momente.
Cindy Lauper überzeugt durchaus in der Rolle der Jenny. Ihre leicht raue Stimme... Ich kann dazu nicht viel sagen.. Sie war echt toll. Alan Cumming als Macheath erinnert sicherlich in eingen Stellen sehr an seinen Conferencier aus der ebenfalls vom Roundabout Theatre produkzierten Cabaret Inszenierung, ist aber sehr passend besetzt. Ich mag seine ständig mysteriöse, sehr verruchte, schmutzige und diabolische Ausstrahlung. Ansonsten sind vor allem Ana Gasteyer, Nellie McKay und Jim Dale als Peachums erwähnenswert und ganz vorne Brian Charles Rooney als Lucy(!). Gerade letzterer reisst sowas vom Hocker, denn er schmettert diese Sopran-Arien dahin, dass einem die Kinnlade nur noch aufklappt. Man staunt ohne Ende. "Lucy's Arie" wurde nicht übersetzt, naja, teilweise, jedenfalls läuft der englische Text auf einer Anzeige nebenher, wenn er(sie) diese singt, dann wird mal eine Zeile auf englisch gesungen usw.. Ein absoluter lacher. Lucy ist wirklich so ziemlich die heftigste Rolle im ganzen Stück, weil die Produzenten sich hier - mal so richtig ausgetobt haben... und das im prüden Amerika.
Was die Bühen angeht, so gibt es hier keine grossen Kulissen. Die Szenen werden durch Leuchtschriften, die hinten heruntergelassen werden, exakt beschrieben und durch ein Bett, zwei Stühle oder Tisch und Schrank ergänzt. Den Rahmen bieten Samtvorhänge.
Ich bin noch völlig euphorisch und kann daher eigentlich noch garnicht so recht auf Einzelheiten eingehen. Es ist einfach ein überzegendes Gesamtbild, was geliefert wird. Ich kann nur jedem empfehlen, der bis Ende Juni noch in New York ist, sich dieses Stück anzusehen. Musicals kann man sich ja echt immer in doch vergleichbarer Art und Weise ansehen, sowas ist ein zeitlich begrenztes Muss, dass sich doch deutlich von der Masse absetzt (vergleichbar mit Sweeney Todd).Gewiss keine "leichte Unterhaltung" die keinerlei Denken verlangt, und man sollte auch ein gewisses Sprachverständnis mitbringen, aber genau das macht es eben zu etwas besonderem.
Also, ab ins Studio 54!!!

