von windygirl » 26.06.2006, 21:39
et voilà:
Bericht Das Phantom der Oper
Sonntag, 18.Juni 06; 16:30
Colosseum
Reihe 5 Platz 16
Zunächst einmal, ja. Ich hatte Uwe „Madame La Morte“ Kröger. Und obwohl ich nie gedacht hätte, das noch einmal zu sagen, aber il n’était pas mal.
Zur Handlung muss ja wohl kaum etwas gesagt werden, denn die Geschichte von Christine Daaé und dem Phantom der Oper, jenem entstellten Genie in den Kellern der Pariser Oper, ist überaus berühmt.
Mir hat die Inszenierung insgesamt sehr gut gefallen, doch das Ambiente war etwas gewöhnungsbedürftig. Sicher hat das Colosseum sein ganz eigenes Flair, aber ein Kronleuchter macht zwischen Stahlgerüsten einen leicht deplazierten Eindruck.
Der Kronleuchter hat denn auch zu Beginn gleich ein Opfer gefunden. Was genau passiert ist, weiß ich leider nicht, aber ein Zuschauer aus der 1. Reihe kam mit einem Kopfverband zurück in den Saal. Ich hoffe jedoch, dass es nicht so schlimm war, wie es durch den Verband den Anschein hatte.
Technische Pannen sind mir keine aufgefallen, aber es war ja auch mein erster (und vorerst letzter) Besuch.
Bevor ich zu den Hauptrollen komme, muss ich dem Corp de Ballett ein großes Lob aussprechen. Schön getanzt und immer mit dem obligatorischen Dauerlächeln im Gesicht. Besonders toll war das „Spieluhräffchen“ (Mami Iwai glaube ich) – technisch sehr sauber, standfest und trotzdem leicht anzusehen, ganz wie Ballett eben wirken muss.
Hier das Corps de Ballett:
Mami Iwai
Valeria Khmelnytska
Anna Roura Maldonado
Miki Nakamura
Svetlana Schenk
Renée Weibel
Uwe Kröger – Das Phantom der Oper
Wie schon gesagt, er war gar nicht so übel. Die meisten werden wissen, dass ich UK spätestens seit BoM 06 mehr als kritisch gegenüberstehe, wo ich bei der Musik der Nacht fast schreiend hinausgelaufen wäre. Vielleicht warne dadurch meine Erwartungen an sein Phantom auch irgendwo im 2. Kellergeschoss angesiedelt, aber wenn man sich auf seine Interpretation (Achtung! Hier ist NICHT die Rede von seiner Stimme!) eingelassen hat, dann war es eine interessante Vorstellung. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass diese Rolle nicht für UK „maßgeschneidert“ ist. Für seine Pop-Stimme (Bariton?) ist das lyrische Phantom nicht geeignet. Ihm fehlen die passende Ausbildung wie auch das passende Stimmtimbre. Erstaunte die gute Leistung in lauten Parts so erschreckten doch auch die falschen Töne in den zarteren. Außerdem hatte er noch einen Verhaspler und Mikrofonprobleme. Schlimm war „Nun bist du dem Untergang geweiht“, bei den anderen Stellen konnte man die zähne zusammenbeißen und versuchen, die falschen Töne zu überhören (es hat jedoch nicht wirklich funktioniert).
Sein Spiel hat mir allerdings recht gut gefallen. Nur waren meine ersten Gedanken bei seinem Anblick: „Mach so weiter und du bist eine Kugel…“, aber das hat dem Spiel nicht wesentlich geschadet. Mir schien, als hätte er sich daran erinnert, dass er zumindest den Anfang einer guten Ausbildung genossen hat… Wenn er von Beginn an (BoM, diverse Fernsehauftritte) diese Leistung gezeigt hätte, wären ihm zumindest einige der Schimpf- und Hasstiraden erspart geblieben. Naja, wer nicht will, der hat schon…
Wenn sich auch meine Einstellung zu ihm nicht ändern wird, hat er doch etwas von meinem Respekt zurückgewonnen, etwas…
Anne Görner – Christin Daaé
Ich muss mich der Meinung anschließen, dass sie keine geeignete Christine ist, ihr Timbre ist zu dunkel. Dennoch hat sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle Töne getroffen und wirkte souverän. Außerdem kann mir „Könntest du doch wieder bei mir sein“ eh keiner verderben…
Nikolaj Alexander Bruckner – Raoul Vicomte de Chagny
Für mich war er der Star des Abends. Er hat Raoul glaubhaft, ehrlich, verliebt, stolz und gesanglich perfekt gespielt. Nach dieser guten Leistung, kann ich mir spontan eigentlich keine bessere vorstellen, zudem Bruckner auch optisch ideal für diese Rolle ist. Großes Kompliment von mir!
Ernst von Looy – Monsieur Firmin
Fernand Delosch – Monsieur André
Diese beiden gehören ja zusammen, denn beide haben ihre Sache gleich gut gemacht – absolut glaubwürdig und besonders bei „Briefe“ mit einer gehörigen Portion Humor.
Laurie Anne McGowan – Charlotta Giudicelli
Der Akzent war excellent, da man trotzdem noch den Text verstanden hat. Ihr Denk an mcih hat mir eigentlich besser gefallen, als Anne Görners.
Alexander Sascha Nikolic – Ubaldo Piangi
Gut. Nichts zu bemängeln, aber auch nicht wirklich zu loben.
Gabriele Ramm – Madame Giry
Grandios! Die strenge Autoritätsperson hat sie wirklich wunderbar gespielt. Als Ballettmädchen hätte auch ich nicht gewagt mich ihr zu widersetzen. Doch als sie dann die Geschichte des Genies erzählt, wird sie menschlich, verletzlich, ängstlich. Ich mg auch ihre Stimme gerne.
Annabel Knight – Meg Giry
How cute! Annabels Mimik war überragend! Sie wirkte wie ein kleines Püppchen, mal freudig lächeln, dann keck und dann wieder beunruhigt. Ihre Sprache hatte zwar starken Akzent, doch der hat nicht weiter gestört. Der Haupteindruck, den der Zuschauer von ihr gewinnt ist sicher „Niedlich!“
Die kleineren Rollen sind mir jetzt zu mühsam aufzuzählen. Noch zum Dirigenten: Thomas Meyer wirkte während der ganzen Show leidenschaftlich und begeistert. Die Musiker haben sich außerdem sehr über die Zuschauer am Orchestergraben gefreut.
Sonst fällt mir nur noch ein, dass der Applaus nicht nach Leistung, sondern nach Starstatus verteilt war. So warne Standing Ovations für UK doch unnötig, vor allem, wenn sie in der 3. Reihe begonnen werden. Mir haben sie die Sicht versperrt und es ist schon lästig, nicht zu wissen für wen man gerade klatscht…
Insgesamt war es eine recht eigenwillige Show, die jedoch ihren ganz eigenen Reiz hatte.