Das Musical an sich gefällt mir musikalisch im großen und ganzen recht gut. (Bis auf einzelne Stellen, die meiner Meinung nach etwas zu "rauh" für ein Musical sind.) Nur wird leider relativ viel vom dem Text nur gesprochen.
Die Idee der Handlung finde ich aber sogar sehr gut: Es spielt ja in der Zukunft, wobei Rockmusik und jede sonstige Musik, die nicht rein Computer gemacht ist, strengstens verboten ist. Ebenso verboten ist es, Musikinstrumente auch nur zu besitzen. Die Sprache Englisch ist eine tote Sprache. Erzählt wird also der Kampf von ein paar jungen Leuten, die dafür kämpfen, mit guten alten Musikinstrumenten gespielte Rockmusik wieder zu bekommen.
Das Integrieren der bestehenden Queen-Songs, um die das musical drum herum geschrieben wurde, ist dabei sehr gut gelungen!
Auch die darstellerische Qualität fand ich ausgezeichnet: Das musical ist wirklich nicht nur was für die Ohren, sondern auch für die Augen! Da war wirklich immer einiges Los auf der Bühne
Was mir an optischen Effekten besonders gut gefallen hat war, als hinter den Statuen am Sternenhimmel Musikinstrumente als Sternzeichen(!) erscheinen! Genial.
Auch als sich aus dem Thron der "Killer Queen" eine Drehbühne emporhebt und in luftiger Höhe sich dreht, während die Killer Queen und der Commander drauf tanzen, gefiel mir sehr gut.
Die große Video-Leinwand im Hintergrund ermöglichte generell sehr gute Effekte - u. a. eben die oben bereits genannten Musikinstrumente-Sternzeichen, aber auch das science-Fiction mäßige Kommunizieren der Killer Queen mit dem Commander, und vieles mehr.
Obwohl die Handlung größtenteils sehr ernst und dramatischen ist, kommt der Humor nicht zu kurz. Es wurden immerwieder ein paar nette Gags eingebaut.
Offenbar war das in Wien eine spezielle "Österreich-Version", wo immer wieder recht witzige österreichische Textstellen eingebaut wurden.
Die Stimmung im Publikum war sowieso genial ("Bomben-Stimmung" wäre noch untertrieben) - es war ja schließlich auch der allerletzte Aufführungstag in Wien. Die meisten Leute im Publikum hatten orange-farbene Leuchtstangen - das war schon auch ein schöner Anblick, wenn man es mal schaffte, den Blick von der Bühne loszureißen und ins Publikum zu schauen, wo man dann das "Lichtermeer" sah. Feuerzeuge und Kerzen waren verboten, aber man wusste sich eben mit Leuchtstangen zu behelfen.
Die letzten drei Songs erlebten alle im Publikum nur mehr stehend, klatschend, die Hände in der Höhe, teilweise mitsingend.
Am Ende gab es natürlich noch eine "Abschiedsrede" zur letzten Vorstellung in Wien - mit Dank an das tolle Publikum während der ganzen Zeit in Wien und Dank an das Team des Raimundtheater, die die Queen-Crew von Anfang an sehr freundschaftlich aufgenommen haben.
Als Extra-Zugabe wurde dann noch "The show must go on" gesungen.
Danach kamen ALLE vom Queen-Team (nicht nur die Darsteller) auf die Bühne. Das war auch schön, die Bühne mal so richtig voll zu sehen (ca. 80 Leute waren da gleichzeitig auf der Bühne!)
Dann fiel für We will Rock You in Wien vorerst der letzte Vorhang.
Es war ein beeindruckendes Erlebnis.
Bezüglich der Sache mit der "toten Sprache", die Englisch in dem Stück ja ist, frage ich mich nur, wie die das machen, wenn sie das Stück in englischsprachigen Ländern aufführen ...

