“Hello? Are you ready?”
Seit ihr bereit für eine genial-witzige Ritter- und Musicalparodie?
Bereit für wahrlich perfekt unterhaltenes Musiktheater?
Für ein Meisterwerk des Genres Musical-Comedy?
Für die erste Reihe im Tony-gekrönten besten Musical 2005?
Das alles könnt ihr haben – PK 1 im aktuellen Broadway-Megahit für EUR 19,95! Mit der Original-Broadway Cast zu Monty Phython’s
„SPAMALOT“ – Die Ritter der Kokosnuss.
Bequemer als der Wohnzimmersessel ist kein Theaterstuhl.
Also: gemütlich machen, CD rein in den Player, beiliegendes Textbuch aufschlagen, ein büschen Platz schaffen für ne Do-it-yourself-Stepp-Tanzfläche, eventuell Freunde einladen, Bier und Popcorn bereithalten...
...und los geht’s...
Ein Tuning (Song 1), eine kurze, schwungvolle Ouvertüre(Song 2), die in eine feierlich-englische Hymne a là „Pomp & Circumstances“ übergeht, zu der ein Historiker im traditionellen Gewand mit England-Faltplan, Schauplatz und Handlung von Akt 1 erläutert (3): Wir sind in ENGLAND des Jahres 932 n.Chr. Ein geteiltes Land: die Angelsachsen im Westen, Franzosen im Osten, dann wären da noch Kelten und Schotten und allüberall im Land reichlich Pest und Cholera. Doch Legenden berichten von einem heldenhaften Mann, der auszog um Chaos zu besiegen und England zu vereinen.
Ein Trommelwirbel, der Historiker erhebt pathetisch die Stimme:
„This man was Arthur, King of the Britons.
F O R T H I S W A S……
E N G L A N D!“
Tätätä. Vorhang auf. Und:
Eine fröhlich tanzend und singende Ensemble-Truppe skandinavischer Land-Schönheiten schmettert los:
“Finland is the country were we dance
Finland is the country, were we play
Here in Finland boy and girl can find a true romance
In traditional Scandinavian way.”
(4/“Finland/Fish Schlapping Dance)
Wir hören diverse Bauernhoftiere, erfahren viel über mögliche Freizeitaktivitäten beim Skandinavienurlaub und können erleben, wie unkonventionell-brutal skandinavischer Fischfang funktioniert. Das alles in einem heiteren 60-Sekunden Stimmungslied, welches sich sowohl zum Mitschunkeln bei Florian Silbereisens Volksfest eignet, als auch für einen potentiellen Karnevals-Hit:
“FINLAND FINLAND FINLAND
That’s the country for me!”
Hä?????
Falsches Stück???????
Ein hörbar genervter Historiker schreitet ein und klärt die Truppe auf:
Historian: „I said: E-N-G-L-A-N-D!!!!!!“
Chorus: “Oh. Soooorrry” (Abmarsch)
Nach diesem “oops” sind wir – hastdunichtgesehen- mit Song 5 in Echt im England des Mittelalters. Glockengeläut, gegorianische Gesänge,. eine Gruppe Mönche, die hereinmarschieren und sich dicke Bücher an die Stirn knallen. „Bringt die Toten aus der Stadt!“, ruft Robin und Sir Lancelot - genannt Lance - schleift einen Toten auf die Bühne; einen alten Daddy, welcher sich allerdings recht hartnäckig beschwert und den einprägsamen Refrain des folgenden beschwingten Marsches, vorgibt („Monks Chant“/“I am not dead yet“)
„I am not dead yet
I can dance and I can sing!
I am not dead yet
I can do the highland fling”
Zum Beweis tanzt und steppt der alte Dad wie der Teufel, unterstützt von einigen, sich aufrichtenden, wippenenden toten Leibern im Hintergrund. Zwischendurch kriegt er von den Rittern eins auf die Rübe, damit er still ist (“Well n o w he’s dead”), was allerdings wenig bringt, weil Daddy sich immer wieder als lebend meldet. Nebenbei lernt man in diesem Song noch einige der Hauptpersonen wie den tapferen Sir Lancelot und den nicht-ganz-so-tapferen Sir Robin kennen. Eine herrlich witzige Shownummer, die sich für eine fröhliche Wohnzimmer-Polonäse geradezu aufdrängt. Rhythmus bzw. Melodie ist ungefähr so wie bei Colonel Hathis Elefantenmarsch aus Disneys „Dschungelbuch“ auf Speed („Wenn die Frühpatrouille naht, halt dich wacker Kamerad –tröööt –„)
Song 6 („Come with me“) beginnt mystisch. Wunderbar magische Gral-Musik mit Wagner-Touch erklingt: Auftritt der geheimnisvollen Dame-des-Sees (Sara Ramirez) mitsamt ihrem - Mädchen-des-Sees- Cheerleader-Gefolge. Die „Lady-of-the-Lake“ hat schon so manchen Mann zum Ritter gemacht. Allen voran König Arthur, der in dieser Szene nun Sir Galahad mitbringt, damit dieser von der Dame in die Geheimnisse des Ritterwerdens eingeführt wird. Die Dame frohlockt in einem zuckersüßen Song mit hübscher Melodie: „Come with me. Come with me. Come with me sweet Galahad, You’ll be a man – in Arthurs Clan“.
Und es kommt wie es kommt: Galahad wird heiß („Oh, wow!“) und wo landen wohl die beiden zwei Songs weiter? Nein, nicht im Bett...
...sie landen in einem Boot, segeln über einen nebelumwaberten See, derweil ein Kronleuchter im Hintergrund erscheint. Und sie singen das obligatorische sentimentale Liebesduett, das immer in Musicals an dieser Stelle kommt (8/“The Song that goes like this“). Textlich sezieren die beiden Aufbau, Positionierung und Präsentation eines Liebesduetts in Musicals. Und das gnadenlos komisch!
Der nichtkundige Musicalbesucher lernt, das diese Art Songs langsam beginnen und mit einem Kuss enden müssen, das die Sänger übertreiben dürfen und mit jeder Strophe die Tonhöhe zu wechseln haben (was dem armen Galahad ab dem E hörbar Probleme macht), das diese Songs unendlich lang und anstrengend sind und am Schluss der Kronleuchter beim höchstmöglichen C zerplatzen kann...
Und die Phantomkundigen Musicalfans lachen sich über diese gelungene Parodie garantiert schlapp!
Achtung Achtung:
spätestens ab Song 10 ist dringend eine Tanzfläche im Wohnzimmer zu schaffen, denn nun geht’s ab! Die Ritter treffen zu ihrer legendären Tafelrunde zusammen, als da wären neben Artur: der blähsüchtige Sir Belvedere, der umwerfend nette Sir Galahad, der tapfere Sir Lancelot, Sir Robin, der-nicht-ganz-so-tapfere-wie-Sir-Lancelot, sowie der mysteriöse Sir-nicht-in-dieser-Show. Zunächst schwören sie sich am Lagerfeuer in einem Freundschaftsblues a là „Santa Fe“/Rent ewige Treue (10/“All for one, none for none“), bevor dann diverse Showgirls in einer Producers-Parodie die Stadt, die niemals schläft ankündigen: Camelot. Und los geht d e r große 6minütige Showstopper des ersten Aktes (11/ „Knights of the round Table“). Bester klassischer Broadway-Swing, mit einem satten Orchester , steppenden Rittern, swingende Knappen, Showtreppe und Lady-of-the-Lake als stimmgewaltige femme fatale. Toll! Wer hierbei die Anlage nicht aufdreht und in Bewegungsdrang verfällt, ist selber schuld..
Luftholen.
Eigentlich gehen nun -kurz vor der Pause- Handlung und Action erst richtig los: wir erleben im folgenden die aberwitzige Odysee der Ritter-der-Tafelrunde bei ihrer Suche nach dem heiligen Gral. Wir sind live dabei, wenn die fiesen Franzosen angreifen und fliegende Kühe, Can Can und Furze als Waffen einsetzen; (13/“Run away“); wir zittern mit den tapferen Helden, wenn diese sich im dunklen, unheimlichen Wald verirren und versuchen cool zu bleiben (16/“Always look on the Bright Side of Life“), schmunzeln über die amüsante Beschreibung möglicher Kriegsverletzungen am Körper von Sir Robin-dem-nicht-ganz-so-Tapferen (17/„Brave Sir Robin“), sind beim Sturm der Tafelrittergesellen auf den Broadway dabei, wo sie in dem witzig-bissigem Showstopper des zweiten Aktes, lernen müssen, das man Juden im Stück haben muss, um am Broadway Erfolg zu haben (18/“You won’succeed on broadway if you don’t have any jews“). Der Musical Fan darf herzhaft lachen lachen über die offensichtliche Verarschung des Hochzeitstanzes aus „Anatevka“, ebenso herzlich über Sir Lancelot, der als Peter-Allen-Persiflage in einer „I go to Rio“-ähnlichen Samba-Shownummer die Showtreppe runterschwuchtelt (21/“His Name is Lancelot“). Sir Lancelot findet seinen persönlichen Gral auf den Bühnen des Broadway. Er wird quasi Showtreppen-Star. Und King Arthur heiratet natürlich die Lady-of-the-Lake – standesgemäss in Las Vegas. In einem swingend-gospeligen Finale mit Happy End.
Vorhang zu.
Puuuuh!
Gleich noch mal von vorn!!!!
Aber zunächst Applaus:
Grosses BRAVO für Buch & Text. Stammt beides von Eric Idle, Ex Mitglied der Komikertruppe Monty Python. Der Tony-Award für das beste Musical 2005 ist verdient!
BRAVO auch für die Musik, die Eric Idle gemeinsam mit John du Prez komponiert hat. Einzuordnen als klassischer Broadway-Sound, durchsetzt mit allen Stilrichtungen – vom Rittersound mit Flötenspiel (17/ „Brave Sir Robin“), über brasilianischen Samba (21/“His name is Lancelot“) bis hin zu Rock-Hymne (12/„Find your Grail“).. Es überwiegen fröhliche Tanz- und Ensemblenummern, aber man findet auch schöne ruhige Stücke wie eine ohrwurmträchtige Ballade aller sich einsam fühlenden Männer (22/“I’m all alone“) oder „The song that goes like this“. Es wird mit Reprisen und Leitmotiven gearbeitet und pauschal lässt sich sagen, das jeder Song irgendwie ins Ohr geht.
Wenn schon Vergleich, dann lässt sich SPAMELOT in die Schublade von „The Producers“ einordnen, allerdings stilistisch vielseitiger und textlich brillanter. Wer nur Pop-Musicals mag oder innovatives sucht, wird enttäuscht. Andererseits kann ich mir keine passendere Musik zum Thema, zur Zeit und den Texten vorstellen.
Mindestens zwei hitverdächtige Ohrwürmer enthält die CD.
Der eine ist der schon bekannte Stimmungs-Hit „Always look on the bright side of life“ (16 und 25), der eigentlich dem Python-Film „Leben des Brian“ entstammt. Passt aber auch zu Rittern der Tafelrunde: showmässig interpretiert, in Langfassung mit Stepp-Einlage und Sound-Effekten. Toll! Die Show-Version dieses Songs, auf den die Welt gewartet hat. Die zwei Versionen dieser CD können auf jeder Party für Stimmung sorgen!
Der zweite ist mein persönlicher Sommer-Hitsong: „Find your Grail“(12). Eine kraftvoll gesungene Hymne, die nach einmaligen Hören im Ohr klebt. Rockig, ein wenig Gospel a la AIDA/“Die Sonne Nubiens“ und in der Melodie spontan erinnernd an den Song „Country-Road“ von John Denver. Klasse. Zudem erhält man mit dieser Aufnahme, in der TIM CURRY den König Arthur spielt, eine Rocky-Horror-Show-Parodie obendrein. Der akustische Wiedererkennungswert von Tim Curry = Sweet Transvestit = King Arthur ist Absicht und auf der Bühne sicher eine weiterer Gag für Musical-Insider.
BRAVO für das gesamte Ensemble, einschließlich opulentem Orchester!
Riesengroßes Extra-BRAVO für SARA RAMIREZ als Lady-of-the-Lake – der eigentlichen Star dieser Show. Sara Ramirez lässt den Zuhörer die Komik der „Lady-of-the-Lake“ sichtbar machen. BRAVO! Neben den erwähnten Songs 4 + 6, sowie ihrer Show-Einlage in „Knights of the round Table“, wird man Sara Ramirez spätestens ab Song 19 im 2. Akt lieben (“Divas Lament“). Nachdem die Dame-des-Sees kurz vor der Pause verschwindet und im 2. Akt nicht mehr vorzukommen scheint, beklagt sie sich in dieser Ballade bitterlich, voller eitlem Selbstmitleid darüber, das man sie – den „Star“ - aus dem Stück rausgeschrieben hat und durch eine Jüngere ersetzen will, gerüchteweise von Britney Spears!
„Whatever happend to my part
It was exciting at the start
Now we’re half-way through Act Two
And I’ve nothing yet to do“
Ein Theatersong mit Potential für eine große Künstlerin. Und Sara Ramirez nützt diesen Part stimmlich wie komödiantisch gnadenlos aus. Überzeugend! Standig Ovation! Eine echte Neuentdeckung!
Die gesamte CD von Song 1 bis 25: ein herrlicher Spaß und hochqualitatives Entertainment. Ein Gesamtkunstwerk, das in jeglicher Hinsicht überzeugt und sein Geld wert ist.
Die Show basiert auf dem Film „Die Ritter der Kokosnuss“, den die Komiker-Truppe Monty Python in den 70ern reichlich dilettantisch mit sparsamsten Mitteln abgedreht haben. Monty Python wurde durch die anarchisch-absurde Komik ihrer Filme bekannt (Berühmtester: „Das Leben des Brian“). Man muss den Film nicht kennen oder mögen, um diese Show gut zu finden. Wenn man ihn kennt, wird man überrascht: denn die Show ist besser, was selten der Fall ist. Unbedingt sollte man Sinn für klamaukigen und schwarzen Humor aufbringen. Wer Ritterfilme, „Camelot“, Filme wie „Kenntucky Fried Movie“„Die nackte Kanone“, Louis-de-Funes oder Tex-Avery-Cartoons mag, mag auch diese Show. Musicalfans haben sowieso Megaspaß durch die zahlreichen Persiflagen bekannter Musicals; und Monty Python-Fans dürften ebenfalls nicht enttäuscht sein: der anarchische, respektlose, schwarze Witz des Originals blieb erhalten. Dank Eric Idle.
Volles Vergnügen ist aber nur mit Studieren der Texte garantiert! Das umfangreiche Booklet bietet dazu reichlich Stoff. Wem das zu anstrengend ist: vorher Film ausleihen.
Höchstwertung: Schulnote 1
Cast-CD des Monats

