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My Fair Lady im Admiralspalast

Termine und Events rund um Musicals

My Fair Lady im Admiralspalast

Beitragvon windygirl » 19.01.2008, 20:08

Vom 1. August bis zum 22. September "grünt's so grün" im Admiralspalast Theater in Berlin. Karten werden zwischen 26€ und 79€ kosten.

Ich freu mich, das dieser KLassiker mal wieder aufgeführt wird!
windygirl
 
Beitr.: 1170
Registriert: 22.11.2005, 18:56
Wohnort: Berlin

Beitragvon windygirl » 24.09.2008, 13:36

Bericht My Fair Lady
Freitag, 29. Juli 2008; 20.00
Admiralspalast, Berlin

Mein längst überfälliger erster Besuch im renovierten Admiralspalast war am 29. Juli fällig und ein verspätetes Geburstagsgeschenk. Leider kann ich keine Vergleiche zwischen vor den Renovierungsarbeiten und heute anstellen, aber zumindest meinen Eindruck vom Gebäude kann ich schildern.

Von der S-Bahn aus muss man zunächst durch eine „hohle Gasse“ kommen ehe man dem Theater nahe kommt – an der Berliner Friedrichstraße wird momentan gebaut und so muss sich der Fußgänger durch einen überdachten Baugang begeben. Nachdem man an dessen Ende durch einen eher unscheinbaren Torbogen geht, ist man schon mitten im Admiralspalast. Im Innenhof laden Tische, Stühle und eine Bar die frühen Besucher ein sich noch ein wenig zu entspannen. Ein weiteres kleines Schmankerl sind zwei überdimensionale Bänke, auf denen man sich nur mit etwas Schwung und Armkraft niederlassen kann. Die Fassade ist sehr hübsch aufbereitet und lässt an vergangene goldene Zeiten denken, doch ein Blick in eine offene Seitentür zeigt ein schäbiges Treppenhaus. Das Geld hat wohl nur bis zum Putz gereicht…

Betritt man dann das Haus und begibt sich in Richtung Treppe begrüßt einen ein Interieur, das weniger prachtvoll erscheint. Obwohl die breite Treppe Eleganz ausströmt, wird diese von ihrer Farbe übertrumpft. Das dunkle grüngraue Material der Stufen erweckt sogar ein wenig Übelkeit. Die oberen Etagen sind jeweils mit Bars ausgestattet und die Vorräume haben einige barock wirkende Sitzgelegenheiten, deren Kanten sind jedoch ein wenig abgenutzt…

Der Theaterraum selbst wirkt auch veraltet und ein wenig trist. Zwar sind die Balkonbrüstungen verziert wie in alten Theatern üblich, doch irgendwie scheinen sie eher alt, denn klassisch. Überhaupt wirkt der große Raum kahl und könnte kräftigere Farben durchaus vertragen. Positiv überraschend jedoch die bequemen Stühle, die einem tatsächlich genug Raum für die Beine gibt.

Das Stück selbst, My fair Lady, ist die Geschichte des Blumenmädchen Eliza Doolittle. Eines Abends, als sie vor der Oper ihre Blumen verkaufen will, trifft sie auf den Sprachwissenschaftler Henry Higgins und den Indienexperten Obert Pickering. Die beiden Männer schließen eine Wette ab, ob es Professor Higgins gelingen kann, Eliza vom ordinären Straßenmädchen in eine echte Dame zu verwandeln. Es folgen endlose Sprechstunden: Eliza muss ihre Vokale aufsagen, mit Kieselsteinen im Mund sprechen und sich den Launen des Professors unterwerfen. Dieser ist ein höchst eigenwilliger Charakter ohne Taktgefühl und immer brutal ehrlich und direkt. Ihm entgegengesetzt ist der Oberst, der versucht Eliza zu beschwichtigen und sie schon von Anfang an behandelt als sei sie eine Dame.
Als Eliza ihren berühmten Satz „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ meistert, ist es Zeit sie in der Öffentlichkeit „auszutesten“. Higgins bringt sie zum Derby nach Ascot, in die Loge seiner Mutter. Unnötig zu sagen, dass die Gewohnheit mit Eliza durchgeht und sie einige recht undamenhafte Dinge sagt. Higgins und auch Eliza selbst sehen das ganze als Debakel, doch der junge Freddy Eynsford-Hill ist hellauf begeistert von der Andersartigkeit Elizas, schreibt ihr Briefe und beschwört ihr seine Liebe.
Trotz des Rückschlags gibt Higgins nicht auf und präsentiert Eliza beim Diplomatenball. Dort tanzt sie mit dem Fürst von Transsilvanien und wird von allen für eine echte Lady gehalten. Das Experiment ist geglückt! In ihrem Triumph vergessen Pickering und Higgins jedoch Eliza selbst, welche – erbost und enttäuscht – das Haus verlässt. Der plötzliche Verlust Elizas trifft die beiden Männer hart und sie machen sich auf die Suche nach ihr. Higgins findet sie schließlich bei seiner Mutter – und wir bemerken, dass er, der eingefleischte Junggeselle, Gefühle für Eliza hat. Diese zeigt er jedoch auf seine ganz eigene Art…
Eliza jedoch beschließt sich von ihm zu emanzipieren: Sie will fortgehen und Freddy heiraten. Dann erst gesteht Henry auch sich selbst ein, dass Eliza nicht nur irgendein Blumenmädchen ist. Und My Fair Lady wäre nicht My Fair Lady, wenn es am Ende nicht eine Art Happy End gäbe:
Eliza ist zurück im Haus des Professors.

Der Abend beginnt mit der Versuchung, auf der Bühne Platz nehmen zu wollen, denn dort ist eine Stuhlreihe vor dem Flügel aufgebaut. Es gibt keinen Orchestergraben, das Orchester befindet sich also auf der rechten Seite der Bühne. Nachdem sich die Plätze vor dem Flügel gefüllt haben, beginnt der Pianist mit der Ouvertüre und wir sind auch schon mitten im Stück. Insgesamt werden recht einfache Mittel genutzt um von Ort zu Ort zu wechseln, doch immer sind sie effektvoll. Ob nun kleine Londoner Taxis über die Bühne rasen oder Schafe in Ascot zu Stühlen werden, es wird immer noch ein neues Schmankerl nachgelegt. Mein persönlicher Favorit waren dabei wohl die Türen unterschiedlicher Größe, die Elizas Straße andeuten sollten.

Die Kostümen waren modern, doch das machte das ganze Stück nur noch ausdrucksvoller. Die frivole Berliner Ausdrucksweise passt nun mal besser zu knielangen Hosen als zu einem Kleid, egal wie zerfleddert es auch sein möge.

Die Energie und Spielfreude der Darstellerriege stand in recht krassem Gegensatz zu den trüben Farben des Theaters. Egal ob die Müllkutscher tanzten und mit Mäusen aus ihren Müllentonnen im Chor sagen, ob Eliza mit echter Berliner Schnauze jammern und jaulend in Higgins Zimmer saß oder ob die feine Gesellschaft in Ascot steif daher stolzierte – immer war die Freude an der Inszenierung zu spüren.

Daniel Morgenroth – Henry Higgins
Direkt, unhöflich, kalt, launisch – und doch… Irgendwie liebenswert. Das ist Henry Higgins und Morgenroth hat ihn grandios verkörpert. Einzig zum Ende hin hätte man sich gewünscht, dass sein Higgins doch noch einen Touch menschlicher hätte sein können und mehr durch den Verlust Elizas getroffen. Stimmlich hat er ebenfalls brilliert – sofern das durch die starke Tendenz zum Sprechgesang, die dieses Stück durchzieht möglich ist.

Franziska Forster – Eliza Doolittle
Manchem dürfte sie noch aus der ZDF Casting-Show „Musicalshowstar 2008“ bekannt sein. Hier als Eliza hat sie eine unglaubliche Vielfalt gezeigt: Sie war laut, ordinär, genervt, verwundert, enttäuscht, edel, natürlich und ganz besonders war sie eine starke Frau. Obwohl ich mir Eliza immer als eine schlanke, eher magere Frau mit langem Haar vorstelle, hat Franziska die ideale Eliza geschaffen. Äußerlich nicht perfekt, etwas strammer und dadurch noch intensiver in ihrer Persönlichkeit wirkend. Vor allem in den kraftvollen Songs konnte sie punkten, manch sanfterem Ton schien es an Spannung zu mangeln. Trotzdem ein großes, großes Lob für ihre Leistung als Eliza!

Anton Rattinger – Oberst Pickering
Für einen ehemaligen Militär fehlte es ihm an Körperspannung und Haltung, er war eher die verweichlichte Variante eines Pickering. Dafür kam gut zum Verstehen, dass es höflicher und sanfter im Charakter ist als Higgins. Stimmlich ist aufgrund sehr wenigen Gesangs seinerseits, nichts hängen geblieben.

Udo Kroschwald – Alfred P. Doolittle
Stimmlich merkt man ihm sofort an, dass er mit diesem Musical Neuland betritt, doch schauspielerisch war er top, ein echter Säufer und Realist von der Straße. Als der die Frage ob er Moral habe verneint, da glaubt man ihm, dass er sich diesen Luxus nicht leisten kann.

Monika Lennartz – Mrs. Higgins
Obwohl sie einen eher unscheinbaren Part hat, fand ich sie wirklich außergewöhnlich gut. Sie hatte eine wunderbare natürliche Spielweise und einen freundlichen Charme. Es tat einem richtig Leid, dass sie mit Henry als Sohn gestraft war. Mit ihren nur wenigen Szene konnte sie sich für mich ganz klar nach vorne spielen!

Dagmar Biener – Mrs. Pierce
Ich mag Dagmar Biener gerne, sie hat so eine… nun ja, ich würde sagen bodenständige Berliner Art. Sie ist ein Original, auch wenn sie eigentlich gar nicht so aus dem Ensemble hervortritt. Als Mrs. Pierce war sie hervorragend besetzt – sie war die gute Seele im Haus, hat den Professor auf dem Teppich gehalten.

Dennis Jankowiak – Freddy Eynsford-Hill
Die Rolle hat wenig Profil, er ist eben der schwärmende junge Mann, der ein Liebeslied singen darf. Gesanglich war er in Ordnung, aber insgesamt wirkte er zu jung und unreif – selbst in dieser Rolle kann ein wenig mehr Alter in der Stimme nicht schaden.

Ensemble
Leider kann ich nicht genau sagen wer an diesem Abend gespielt hat. Nur einer sei zu erwähnen – Eric Rentmeister. Wenn man einmal ein Bild von ihm gesehen hat, erkennt man ihn immer wieder…


Der Abend war wunderbar unterhaltsam und man verlässt das Theater mit einem Liedchen auf den Lippen, denn man kann gar nicht anders als sich von dieser energetischen Cast begeistern zu lassen.
windygirl
 
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